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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

nach*). Sie sollte als Lockmittel dienen, um reichlichere Almosen zuziehen. Das Wunder, welches Sabbatai Zewi in der heiligen Stadtfür sich erwartete, war bereits vorhanden: die Leichtgläubigkeit und dieWundersucht der Jerusalemer, die geneigt waren, wie die Wilden aufder untersten Stufe, das Albernste und Blödsinnigste als eine göttlicheOffenbarung anzunehmen, wenn es ihnen nur auf die rechte Art bei-gebracht wurde. Anfangs hielt sich der Schwärmer von Smyrnaruhig und gab keinen Anstoß. Er lebte nach der lurjanischen Kab-bala, legte sich die strengsten Kasteiungen auf und weilte oft auf denGräbern frommer Männer, um deren Geister auf sich herabzuziehen.Damit und auch mit seinem einnehmenden, zugleich anziehenden undin Respekt haltenden Wesen und seiner Schweigsamkeit gewann erallmälig einen Kreis von Anhängern, der einen blinden Glauben anihn hatte. Einer seiner treu gebliebenen Anhänger erzählte von ihmin glaubwürdiger Einfalt: Sabbatai Zewi habe beim Gebete Strömevon Thränen vergossen, die ganze Nacht bei Hellem Kerzenlicht diePsalmen mit seiner angenehmen Stimme gesungen, während er dasZimmer in kürzern oder längern Schritten durchmaß. All seinThun sei außergewöhnlich gewesen. Er pflegte aber auch anstößigeLiebeslieder in spanischer Sprache mit mystischer Andeutung zusingen, von der schönen Kaisertochter Melisselde mit ihren Korallen-lippen und ihrem Milchfleische, wie sie aus dem Bade steigt. Sab-batai wendete aber noch ein anderes Mittel an, um die Herzen zuerobern. So oft er sich auf den Straßen zeigte, theilte er den Kindernallerlei Näschereien aus, die ihm in Folge dessen stets nachliefen undauch die Mütter für ihn gewannen.

Ein Vorfall brachte seine Excentricitäten der Verwirklichungnäher. Ueber die Jerusalemer Gemeinde wurde abermals von Seiteneines der Paschas oder eines Unterbeamten eine jener Erpressungenverhängt, welche öfter Folterqualen und Tod im Gefolge hatten. Dieverarmten Mitglieder setzten ihre Hoffnung einzig und allein aufRaphael Joseph Chelebi in Kairo, von dem man wußte, daß er Ver-mögen und guten Willen hatte, seinen leidenden Brüdern, namentlichden Heiligen in Jerusalem, beizuspringen. Ein Sendbote sollte anihn deputirt werden und Sabbatai Zewi wurde allgemein als der ge-eignetste für diese Sendung angesehen, zumal er bei dem Saraf-Baschieine beliebte Persönlichkeit war. Er übernahm diesen Auftrag um sobereitwilliger, als er dadurch Gelegenheit zu erhalten hoffte, eine Rolleals Retter der heiligen Stadt zu spielen. Seine Verehrer datirenauch von dieser seiner Reise nach Egypten die ersten Anfänge seiner

') S. Ghirondi, Biographien S. 58; Jakob Sapir, i'so px dlo. 42.