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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

den Titel Saraf-Baschi führte, ähnlich den Arabarchen in Alexan-drien in früherer ZeitZ. In jener Zeit (seit 1656) hatte dieses AmtRaphael Joseph Chelebi (aus Aleppo) inne, ein Mann vongroßen Reichthümern und reichspendender Wohlthätigkeit, aber auch voneiner unsäglichen Leichtgläubigkeit und unvertilgbarem Hange zu nebel-hafter Mystik und zur asketischen Lebensweise. Fünfzig Talmud-kundige und Kabbalisten wurden von ihm unterhalten und speisten anseiner Tafel. Jeder, der sich an sein Mitleid wendete, fand Hilfe undMilderung seiner Noth. Während er im Staatswagen fuhr, in Pracht-gewändern auftrat, trug er an seinem Leibe ein Büßergewand, fasteteund badete viel und ließ sich öfter in der Nacht geißeln. SamuelVital, ein Sohn Chajims Calabrese, leitete seine beständigen Büßungennach lurjanisch-kabbalistischer Vorschrift (DLun Imi-ja). Diese hatten,wie schon angegeben, zum Zwecke, die bevorstehende Ankunft desMessias zu fördern. In Kairo seine und Raphael Josephs Bekannt-schaft nicht zu machen, war für einen Kabbalisten nicht denkbar.Sabbatai Zewi kam also auch in dessen Kreis und gewann um soeher deren Vertrauen, als er vermöge seiner Unabhängigkeit nichtsvon ihm verlangte. Ihm scheint er halb und halb einen Blickin seine messianischen Absichten eröffnet zu haben. Er war indessenälter, reifer und klüger geworden und wußte bereits sich die Menschengefügig zu machen. Das apokalyptisch-messianische Jahr 1666 rückteimmer näher, es galt daher für ihn, es zu bewähren.

Er begab sich daher nach Jerusalem (um 1663) wohl im Wahne,daß sich auf dem heiligen Boden ein Wunder ereignen werde, welchesihn in seiner Hoheit beglaubigen würde. Die Jerusalemer Gemeindewar damals nach jeder Seite hin arm und armselig. Durch dieQuälereien und Gelderpressungen der türkischen Beamten ohnehin her-untergekommen, versiegten für sie noch die Zuflüsse aus Europa, inFolge der anhaltenden Judenschlächtereien in Polen (o. S. 73 fg.). DieFolge davon war, daß die besten Männer auswanderten, und dieGemeindeführung eingefleischten Kabbalisten, lauter Lurjanisten undVitalisten, oder gar einer zuchtlosen Bande überließen, welche demTriebe des nacktesten Eigennutzes folgte. Männer von Klang undGewicht gab es damals nur sehr wenige in Jerusalem. An derSpitze scheint ein Marrane gestanden zu haben, der Arzt JacobZemach, der so zu sagen aus einer (portugiesischen) Kirche miteinem Satze nach dem Kabbalistennest Safet entflohen und dort, wie