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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Vollkommenheit Gottes selbst wegen der herrschenden Sündhaftigkeitder Menschen und der Erniedrigung des jüdischen Volkes gewissermaßengestört, da die Gottheit ihren sittlichen Plan nicht durchsetzen könne.Tie höhere und niedere Welt sei durch eine tiefe Kluft von einandergetrennt; die vier Buchstaben des Gottesnamens seien auseinandergerückt. Mit der messianischen Erlösungszeit werde die Welt der sitt-lichen Ordnung, wie sie Gott in den Weltplan gelegt, und damit dieVollkommenheit und Einheit wieder hergestellt werden. Indem Sab-batai Zewi sich erlaubte, den Gottesnamen voll auszusprechen, be-kundete er damit, daß mit ihm die Guadenzeit angebrochen sei.

Indessen hatte er als Zweiundzwanzigjähriger bei all seinemfrommen, mystischen Wandel noch zu wenig Autorität, als daß dieRabbinen ihm eine solche Verletzung des Bestehenden, welche nochandere nachziehen könnte, hätten durchgehen lassen. Sobald es einigeJahre später ruchbar wurde, sprach das Collegium und an der Spitzedesselben sein Lehrer Joseph Eskafa den Bann über ihn und seinenAnhang aus; es gab deswegen viele Reibereien in der Gemeinde,deren Einzelheiten nicht bekannt geworden sind. Schließlich wurde erund seine Jünger (um 1651) aus Smyrna gejagt. Die messianischeSchwärmerei schien damit im ersten Aufkommen erstickt zu sein, glommaber unter der Asche fort und brach kaum fünfzehn Jahre später zueiner Hellen verzehrenden Flamme aus. Die Verfolgung, weit entferntSabbatal Zewi abzuschrecken, gab ihm nämlich erst recht das Gefühlseiner Würde. Die Vorstellung von einem leidenden Messias hattesich bereits früher vom Christentyum in den jüdischen Kreis fort-gepflanzt, so daß auch hier angenommen wurde: des Messias' De-müthigung führe zu seiner Erhöhung und Verklärung. Sabbatcüglaubte an sich, und seine Jünger, darunter Mose Pinheiro, einbereits gereifter Mann, der wegen seiner Kenntnisse in Achtung stand,theilten diesen Glauben mit aller Zähigkeit. Freilich, hätte sich derMessias durch die Welt betteln müssen, so würde seine Illusion nichtlange vorgehalten haben. Allein Sabbatal war von seinem Vater-hause aus mit Geldmitteln reichlich versehen, konnte seine Unab-hängigkeit und seine vermeintliche Würde behaupten und noch dazuAnhänger werben. Anfangs hielt er sich indessen im Verborgenen,sprach nicht viel von seiner Messianität und entging dadurch demGespötte. Wohin er sich nach seiner Verbannung aus seiner Geburts-stadt begeben, ist nicht ganz sicher, wahrscheinlich jedoch nach der tür-kischen Hauptstadt, der zahlreichsten jüdischen Gemeinde, worin es soviel reine und unreine Elemente gab, daß Jedermann dort für.seinePläne und Abenteuer Genossen finden konnte. Dort lernte er einen