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Sabbatai Zewi. 187
Stifter einer neuen Sekte, war keineswegs eine außergewöhnlicheErscheinung. Er verdankte die Anhänglichkeit, die ihm schon alsJüngling zu Theil wurde, nicht seinem umfassenden Geiste, sondernseiner äußeren Erscheinung, seinem einnehmenden Wesen. Er wargroß gewachsen, wohlgestaltet, hatte schönes, schwarzes Bart- undKopfhaar und ein angenehmes Organ, das durch's Sprechen undmehr noch durch Gesang die Herzen gewinnen konnte. Sein Geistaber war von dem Vorherrschen der Phantasie umwölkt, er hatte einenschwärmerischen Zug und einen Hang zum Außergewöhnlichen, besonderszur Einsamkeit. Im Knabenalter mied Sabbatai Zewi Gesellschaftund Spiel von Altersgenossen, suchte einsame Plätze auf und thatüberhaupt niemals das, was die Jugend reizt. Seine Bildungsmittelwaren die gewöhnlichen. Im beginnenden Jünglingsalter lernte erTalmud im Lehrhause des greisen Joseph Eskafa, eines Stock-talmudisten von Smyrna, worin er es nicht allzuweit gebracht hat.Desto mehr zog ihn der Wirrwarr der Kabbala an. In die Jrr-gänge des Sohar eingeführt, fühlte er sich heimisch darin, geleitet andem Faden der lurjanischen Auslegung. Sabbatai Zewi theilte da-mals noch die allgemein verbreitete Meinung, daß die Kabbala sichlediglich durch asketische Mittel erwerben lasse. Daher kasteite erseinen Leib und badete sehr oft im Meere, bei Tag und Nacht, imWinter wie im Sommer. Vielleicht erhielt sein Leib von den See-bädern einen Wohlgeruch, den seine Verehrer steif und fest von ihmbehaupteten. Im beginnenden Mannesalter unterschied er sich dadurchvon seinen Genossen, daß er keinerlei Neigung für das weiblicheGeschlecht empfand. Nach Brauch wurde Sabbatai Zewi jung ver-heirathet, mied aber seine junge nicht unschöne Frau so hartnäckig,daß sie auf Scheidung antrug, die er ihr gern gewährte. Dasselbewiederholte sich mit einer zweiten Frau.
Diese im heißen Morgenlande seltene Abneigung gegen die Ehe,feine emsige Beschäftigung mit der Kabbala und seine strenge Lebens-weise zogen die Aufmerksamkeit auf ihn. Jünger suchten ihn aufund ließen sich von ihm in die Kabbala einführen. Als Zwanzig-jähriger war er bereits Meister eines kleinen Kreises. Diesen Kreisfesselte er an sich theils durch sein ernstes und einsames Wesen, dasjede Vertraulichkeit ausschloß, theils durch seine schöne Singstimme,mit der er kabbalistische Verse von Lnrja oder eigen gedichtete selbstin spanischer Sprache zu singen pflegte. Das war die erste Anregungzu seinem hochmüthigen Selbstgefühle. Ein anderer Umstand kam
hinzu. Mit der Thronbesteigung des Sultans Ibrahim entstandein heftiger Krieg zwischen der Türkei und Venedig, welcher den
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