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Geschichte der Juden.
sität von Heidelberg unter sehr günstigen Bedingungen antrug, lehnteSpinoza dieses Anerbieten entschieden ab. Er machte auch aus seinerGrundabsicht kein Hehl: er wollte nicht auf seine Ruhe Verzicht leisten.Aus dieser ihn beherrschenden Stimmung, oder richtiger aus Furchtvor Unruhe und Unannehmlichkeiten, und aus Besorgniß, sich Gegnerauf den Hals zu rufen, oder mit. der Staatsgewalt in Gegensatz zutreten, mochte er eine Zeit lang seine Gedanken gar nicht veröffent-lichen^). Und als er sich endlich auf das Drängen seiner Freundeentschloß, den theologisch-politischen Traktat dem Druck zu über-geben, gab er seinen Namen nicht zu dieser epochemachenden Schrifther und ließ einen falschen Druckort (Hamburg) darauf setzen, umjede Spur des wahren Vaters zu verwischen. Er verleugnete halbund halb sein eigenes Kind, um nicht in Gemüthsunruhe versetzt zuwerden.
Wie vorauszusehen war, machte das Erscheinen des theologisch-politischen Traktats (1670) ungemeines Aufsehen. So scharf, so ent-schieden und einschneidend war bis dahin noch nicht über das Ver-hältniß der Religion zur Philosophie und zur Staatsgewalt geschriebenund namentlich nicht so der Stab über den geistlichen Stand ge-brochen worden. Die Geistlichen aller Bekenntnisse waren gegen dieses„gottlose" Buch, wie es genannt wurde, welches den Offenbarungs-glauben herabsetzte, außerordentlich aufgeregt. Spinoza's einflußreichsteFreunde vermochten es nicht zu schützen, es wurde durch ein Dekretder Generalstaaten verdammt und zum Verkauf verboten — allerdingsum nur noch eifriger gelesen zu werden. Spinoza scheute sich aberseit der Zeit noch mehr, seine anderweitigen Schriften, namentlich seineigenes philosophisches System zu veröffentlichen. Er gehörte bei allseiner Charakterstärke nicht zu den Geistern, welche der Wahrheit eineBahn zn brechen unternehme», sie mit lauter Stimme in die WeltHineinrufen und Anhänger dafür werben, unbekümmert darum, ob sieauch ein blutiges oder unblutiges Märtyrerthum dafür bestehen müßten.In der Selbstlosigkeit des spinozisiischeu Charakters und Gedanken-systems lag doch etwas Selbstisches, nämlich die Rücksicht darauf, ausder Befriedigung der Erkenntuiß, aus der Seligkeit der Betrachtung,aus dem Nachdenken über das Weltgauze und das Räderwerk der darinwaltenden Ursachen und Wirkungen so wenig als möglich aufgestörtzu werden. Eine Herausforderung zur Thatkrafi, zum Ringen, zumUeberwinden des Widerstandes lag weder in Spinoza's Naturell nochin seiner Philosophie.
') S. Spinoza's Brief Uo. 9 an Oldenburg und Uo. 10, 14 von Olden-burg an ihn.