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Geschichte der Juden.
jedes Wort in der Bibel als eine Art Offenbarung und alle darinvorkommenden Personen bezeichnete er als Propheten. Aus den Wortender heiligen Schrift bewies er, daß auch die Heiden ihre Prophetengehabt hätten, daß also die jüdische Nation keinen Grund habe, aufden Vorzug der Prophetie stolz zu sein*). Nicht sehr philosophischfolgte er der Annahme älterer jüdischer Denker (Saadia, Maimunil,daß Gott zur Bewährung der Offenbarung des Dekalogs am Sinaidie Israeliten thatsächlich eine eigens geschaffene Stimme habe ver-nehmen lassen, und diese habe ihnen jene außerordentliche Erscheinungvergewissert 2). Auch gab Spinoza auf Grund der Schrift zu, daßdie Offenbarung der Propheten thatsächlich durch augenfällige Zeichenbeurkundet worden sei. Nichts desto weniger setzte er diese Offenbarungsehr tief herab. Mose, die Propheten und alle die höhern Personender Bibel hätten nur eine verworrene Anschauung von Gott, derNatur und den Wesen gehabt; sie seien nicht Philosophen gewesen, siehätten sich nicht des natürlichen Lichts der Vernunft bedient. Jesusdagegen habe höher gestanden; er habe nicht eine Nation, sondern dieganze Menschheit durch Vernunftgründe belehr?). Auch die Apostelseien höher zu stellen als die Propheten, da sie einen natürlichen Lehr-gang ejngeführt, nicht bloß durch Zeichen, sondern auch durch vernünftigeUeberzeugung gewirkt hätten^). Als ob das Hauptbestreben der Apostel,dem ihr ganzer Eifer zugewendet war, an Jesu wunderbare Auferstehungzu glauben, vernunftgemäß gewesen wäre! Nur die Bitterkeit Spinoza'sgegen die Juden war es, die ihn veranlaßt^ ihr geistiges Eigenthumzu verkleinern und das Christenthum hochzustellen. Die sinaitischeOffenbarung, den Dekalog, dieses Helle Licht, welches in die Nacht derMenschheit wie ein Blitz hineinschlug und sie allmälig erleuchtete, schlugSpinoza nur gering an, weil sie sich nicht in Form ewiger Wahrheit,sondern als Gesetz und Befehl Gottes gieb?). Dagegen konnte erdie sogenannte Bergpredigt bei Matthäus — welche er trotz der vielenWidersprüche als echt und göttlich anerkannte—nicht genug bewundern?)
Das. a. 3 p. 39 fg.
2) Man vergl. Traktatus o. 1 p. 4: guaxroptsr rrraZis eara scripturavouveuirs vläsbur, guoäOsuo s-liguara voosna vsrs arsuvit, gus, ipssäsealoAuva rsvslavit, mit Saadia Emunot II. a. 8: i»i nna und MaimuniHlorsll II. 65. II. 33: unz:.-, in?. Dieselbe Auffassung hatte
auch Philo, s. B. III, S. 414 Anmerk. Vgl. M.' Josl, Spinoza's theol.-polit.Traktat, S. 24 ft.
Traktat a. 4 p. 5l>; o. 5 p. 50.
Das. o. 11.