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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Spinoza's Behandlung des Judenthnms.

Für ihn gab es keinen Fortschritt in der Flucht der Zeiten, sondernnur ein ewiges, langweiliges Wiederholen derselben Erscheinungen vonDenken und Ausdehnung, einen ewigen Stillstand der Menschheit.

Bei dieser Auffassung von Gott und von dem gebundenen sittlichenThun des Menschen darf es nicht befremden, daß das Judenthum keineGnade vor Spinoza's Augen fand. Stellt dieses doch gerade entgegen-gesetzte Principien ans, weist dem Menschen eine hohe, selbstthätige Auf-gabe zu, verkündet laut den Fortschritt der Menschheit in einfacherGottesverehrnng, Heiligkeit und Ueberwindung der Gewalt, des Schwertes,des die Menschheit schändenden Krieges. Diesen Fortschritt hat dasJudenthum auch im Laufe der Zeiten vielfach gefördert. Spinoza fehlteüberhaupt der Blick für geschichtliche Vorgänge, welche wunderbarerals die natürlichen sind, und auch ihrerseits gesetzmäßig erfolgen.Er konnte daher dem Judcnthum keine besondere Bedeutung beimessen.Er verkannte es noch mehr durch die Erbitterung, welche er gegendas Amsterdamer Rabbinatscollegium empfand, das verzeihlichgenug ihn aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hatte. Auch Spinozaübertrug seine Erbitterung gegen die Gemeinde auf die Gesammtjuden-heit und das Judeuthum. Er nannte die Rabbincu, wie schon gesagt,nicht anders als Pharisäer (in seinem theologisch-politischen Traktate,sowie in seinen Briefen an Freunde) und gab diesem Worte den ge-hässigsten Begriff. Dem Christenthum räumte Spinoza dagegen einengroßen Vorzug vor dem Judenthum ein, weil er dieses mit dem Augedes Unwillens betrachtete und daher überall Gebrechen und Ungereimt-heiten erblickte, jenes aber mit wohlwollendem Blick ansah und dieSchwächen übersah. Spinoza hatte daher bei dem richtigen Triebnach Wahrheit, der ihm eigen war, über die Gestaltung des Juden-thums neben manchem Richtigen auch vieles Falsche und Verkehrteausgesprochen. So sonnenhaft sein Geist in metaphysischen Unter-suchungen war, so dunkel und verworren war er auf geschichtlichemGebiete. Um das Judenthum herabzudrücken, erklärte Spinoza, daßdie, Bücher der heiligen Schrift vielfache Schreibfehler, Einschiebsel,Entstellungen enthalten und durchweg nicht den Verfassern angehören,denen sie zugeschrieben werden, nicht einmal der Pentateuch, die Grund-quelle des Judenthums Z. Esra habe ihn vielleicht erst nach dembabylonischen Exil zusammengetragen und geordnet. Die echte Schriftvon Mose sei nicht mehr vorhanden, nicht einmal die zehn Gebote inihrer ursprünglichen Gestalt"). Nichts desto weniger nahm Spinoza

9 Theologisch^-politischer Traktat Oax. 8, 9.

2) Das. 8 gegen Ende.