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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Spinoza's Behandlung des Judenthums. 171

Wunder konnte sein nüchterner, auf den ewigen Zusammenhangder Dinge und Ereignisse dringender Sinn allerdings nicht annehmen.

Er verspottete sie daher, soweit sie im alten Testamente Vorkommen,entweder als Aberglauben des niedrigen Volkes oder Produkt derGeistesschwäche der Propheten, und entschuldigte sie allenfalls als An-bequemung an den niedern Erkenntnißstand der zu Belehrenden. DieWunder des neuen Testaments hingegen beurtheilte Spinoza viel milder.

Trotz seines wegwerfenden Urtheils über das Judenthum imponirtenihm indeß zwei Erscheinungen in demselben, obwohl er sie auch nichtrecht verstanden und daher sie nur oberflächlich, nach seinem Gedanken-schema beurtheilt hat: die sittliche Größe der Propheten und dieVorzüglichkeit des israelitischen Staates, die gewissermaßen zu-sammengehören. Ohne Verständniß für die staatliche Organisation,worin Natur- und Sittengesetze, Nothwendigkeit und Freiheit Zusammen-wirken, deren geheimnißvolle Triebfedern Sprache, Sitte, Religion undRechtsbewußtsein bilden das Größte, was der Menschengeist imZusammenwirken schaffen kann da er überhaupt in vollständigerVerkennung der Staatsbildung, den Staatsbegriff lediglich aus derbrutalen Gewalt gegen brutale Gewalt ableitete, erklärt sich Spinozadie Entstehung des jüdischen Staates, ja das Judenthum folgender-maßen: Als die Israeliten nach Befreiung aus egyptischer Knechtschaftjedes Staatsverbandes ledig und wieder in ihr Naturrecht eingesetztwaren, hätten sie freiwillig sich Gott zu ihrem Herrn erwählt und ihrRecht ihm allein durch förmlichen Vertrag und Bündniß übertragen.

Damit von göttlicher Seite nicht der Schein eines Betruges ob-walte, habe Gott ihnen seine bewunderungswürdige Macht zu erkennengegeben, vermöge deren er sie bis dahin erhalten habe, und in Zukunftzu erhalten verhießZ) d. h. er habe sich ihnen in seiner Glorie amSinai offenbart^) daher sei der Gott Israels König geworden undder Staat ein Gottesreich. Glaubensanschauung und Wahrheitenhätten daher in diesem Staate einen gesetzlichen Charakter gehabt,

Religion und bürgerliches Recht fielen zusammen. Wer von der Religionabfiel, habe sein Bürgerrecht verwirkt, und wer für die Religion starb,

*) Man muß die eigenen Worte Spinoza's lesen, um zu ermessen, wie vageund oberflächlich dieser große Denker über diese geschichtliche Erscheinung dachte.

Traktat v. 22. p. 191 Ende: Osinäs nt ps-otuna, ratuva üxuingus sssst stabsgus tn'kruäis susxioions, nitrit Osus onrn ixsis (lsraslitisl xsxi^it, nisixostguana sxxsrti sunt ssus sllrnirsnäuin xotsntiana, gns, sols, ssrvatitusrant st gna. solo, in postsrnra ssrvari potsrant. Also doch ein Ein-greifen Gottes in die Geschichte!

2) Das. e. 14, Ende.

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