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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Seite
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entspringen aus verworrenen Ideen der Seele, welche die Dinge be-herrschen zu mögen vermeint, aber sich gewissermaßen an dem festenWiderstand derselben aufreibt und Schmerz davon trägt. JemehrEinsicht die Seele erlangt, in dem Zusammenhänge des Weltalls dieReihenfolge der Ursachen und Wirkungen und die Nothwendigkeit derErscheinungen zu begreifen, desto mehr kann sie den Schmerz in Wohl-behagen verwandeln. Durch höhere Einsicht vermag der Mensch,wenn er sich von der Vernunft leiten läßt, sich Seelenstärke anzueignen,noch mehr Liebe zu Gott, d. h. zum ewigen Zusammenhänge, zu em-pfinden. Dieses gewährt einerseits Edelsinn, die Menschen zu unter-stützen und sie durch Milde und Wohlwollen zu gewinnen, und ver-schafft anderseits Befriedigung, Freude und Seligkeit. Der mithöchster Erkenntniß Begabte lebt in Gott, und Gott in ihm. Erkenntnißist Tugend, wie Unwissenheit gewissermaßen Laster ist. Während derWeise (eigentlich nur der Philosoph) vermöge seiner höhern Einsichtund seiner Liebe zu Gott Seelenruhe genießt, muß der Geistes-umnachtete, welcher sich der Raserei seiner Leidenschaft überläßt, dieseFreudigkeit entbehren und geht öfter dadurch zu Grunde. Die höchsteTugend ist nach dem spinozistischen System Selbstentäußerung durchErkenntniß, sich in Passivität erhalten, mit dem zermalmenden Räder-werk der Kräfte so 'wenig als möglich in Berührung kommen, ihnenausweichen, wenn sie nah kommen, oder sich ihnen unterwerfen, wennihre wilde Jagd den Einzelnen niederwirft. Aber so wenig der vonBegierden Besessene Tadel verdient, ebenso wenig gebührt dem sichseiner selbst entäußernden Weisen Lob; beide folgen ihrem nothwendigenNaturgesetze. Höhere Erkenntniß und Weisheit lassen sich, nicht erstreben,wenn die Bedingungen dazu fehlen, nämlich ein für Erkenntniß undWahrheit empfänglicher Geist, den man sich weder geben noch nehmenkann. Der Mensch hat also gar kein Ziel, ebensowenig wie die ewigeSubstanz.

Spinoza's Sittenlehre (Ethik im engeren Sinne) ist ebenso un-fruchtbar wie seine Staatslehre. Hier wie dort erkennt er nur Unter-würfigkeit als vernünftig an. Eine glänzende Seite des menschlichenGesammtgeistes war Spinoza's Gesichtskreise ganz entrückt: die schöpfe-rische Kraft, welche im Thatendrang, im Kämpfen und Ringen allmäligeine Civilisation schafft, das Rechtsbewnßtsein immer mehr klärt, und Sitt-lichkeit und Religion dauernd begründet, die immer mehr Gesittungunter die Menschen verbreiten, Staaten gründen, die sich immer mehrvon Recht und Sittlichkeit erfüllen und endlich den großen weltgeschicht-lichen Proceß fördern, der den Fortschritt der Menschheit bezeichnet.Für alle diese Erscheinungen hatte Spinoza's Metaphysik kein Auge.