Spinoza's System.
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zu bestehen und zu wirken. Die ewige beständige Natur Gottes wirkein ihnen durch die ihnen zugetheilten ewigen Gesetze. Die Dingekönnten daher nicht anders gestaltet sein, als sie es eben sind; dennsie sind die in ewigem Flusse in's Dasein tretenden Erscheinungen Gottesin der innigen Verbindung von Denken und Ausdehnung.
Welche Stellung nimmt der Mensch in diesem geschlossenen Systemeein? Wie soll er handeln und wirken? Auch er ist mit aller seinerGröße und Kleinheit, mit seiner Kraft und Schwäche, mit seinemhimmelanstrebenden Geiste und seinem dem Bedürfnisse der Selbst-erhaltung unterliegenden Leibe nichts weiter als eine Daseinsweise(Lloäuo) Gottes. Mensch auf Mensch, Geschlecht auf Geschlecht entstehtund vergeht, verfließt wie ein Tropfen in einem ewigen Strome, aberseine eigentümliche Natur, die Gesetze, nach denen er sich körperlichund geistig in dieser eigenartigen Verbindung von Geist und Raum-ausdehnung bewegt, spiegeln göttliche Wesenheit ab. Namentlich bildeder menschliche Geist oder richtiger die verschiedenen Denkweisen, Ge-fühle, Anschauungen aller Menschen zusammen die ewige VernunftGottes. Der Mensch ist aber so wenig wie alle andern Dinge, wieder Stein, der vom Berge herunterrollt, frei, sondern folgt den ansihn eindringenden äußern und innern Einwirkungen. Jede seinerHandlungen ist ein Produkt einer unendlichen Reihe von Ursachen undWirkungen, die er kaum übersehen, geschweige denn beherrschen undnach seinem Willen ändern könne. Der Gute wie der Böse, der sichfür ein erhabenes Ziel hingebende Märtyrer, wie der fluchwürdige Böse-wicht und Menschenschlächter, alle sind sie wie der Thon in der Hand Gottes;sie müssen nach ihrer innern Natur, der Eine gut, der Andere böseund alle so handeln, wie sie eben handeln. Sie wirken Beide nacheherner Nothwendigkeit. Niemand dürfte es Gott zum Vorwurfmachen, daß er ihm eine schwache Natur oder einen umnachtetenGeist gegeben habe, wie es widersinnig wäre, wenn der Kreis sichbeklagte, daß Gott ihm nicht die Natur und die Eigenschaft der Kugelgegeben habe. Es ist eben nicht Sache eines jeden Menschen, starkenGeistes zu sein, und es liegt ebenso wenig in seiner Macht, einengesunden Geist, wie einen gesunden Körper zu haben Z.
Doch nach einer Seite ist der Mensch gewissermaßen frei, oderrichtiger, einige ganz besonders Geistesbegabte können sich ein wenigvon dem auf sie geübten Zwang befreien. Unfrei ist der Mensch ammeisten durch seine Leidenschaften. Liebe, Haß, Zorn, Ruhmsucht, Geld-geiz machen ihn zum Sclaven der Außenwelt. Diese Leidenschaften
ft Spinoza, Brief an Oldenburg, Briefsammlung Uo. 25.