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Geschichte der Juden.
nach sich ziehen können? Welchen Eindruck hätte er auf die Marranenin Spanien und Portugal gemacht? Vielleicht mag auch der Skandal,welchen die noch in Andenken gebliebene Bannung da Costa's ver-ursacht hatte, eine Wiederholung derselben nnthunlich gemacht haben.
Die Rabbinen ließen daher so unter der Hand Spinoza durch seineFreunde eine jährliche Pension von 1000 Gulden unter der Bedingunganbieten, daß er keinen feindlichen Schritt gegen das Judenthum thunund sich von Zeit zu Zeit in der Synagoge blicken lassen würde.Allein Spinoza war, obwohl noch jung, bereits so gefestigten Charakters,daß ihn Geld nicht zum Aufgeben seiner Ueberzeugungen oder garzur Heuchelei verlocken konnte. Er beharrte darauf, daß er die Freiheitder Forschung und Prüfung nicht fahren lassen werde. Er fuhr auchfort, seine das Judeuthum untergrabenden Lehren jüdischen Jünglingenmitzutheilen. So verschärfte sich die Spannung zwischen den Vertreterndes Jndenthums und ihm täglich mehr; beide waren im Rechte, oderglaubten es zu sein. Ein Fanatiker in Amsterdam glaubte dieserSpannung durch einen Messerstich gegen den gefährlichen Apostatenein Ende machen zu können. Er lauerte Spinoza beim Austritt ausdem Theater ans, und fuhr mit dem Mordwerkzeuge gegen ihn los. Dieserhatte aber die feindliche Bewegung zeitig genug bemerkt und wich demStreich aus, so daß nur sein Rock davon beschädigt wurde Z. InFolge dessen verließ Spinoza Amsterdam, um sich nicht der Gefahrdes Meuchelmordes auszusetzen, und begab sich zu einem Freunde, derebenfalls von der herrschenden calvinischen Kirche verfolgt wurde, zueinem Anhänger der Secte Rhynsburger oder Collectanten, welcherin einem Dorfe zwischen Amsterdam und Oudekerk wohnte. An eineAussöhnung Spinoza's mit der Synagoge war nach diesem Vorfallnicht mehr zu denken. Daher sprachen Rabbiner und Vorstand über ihn >
den schwersten Bann (Oberem) aus und verkündeten ihn in portugiesischer l
Sprache an einem Donnerstag (6. Ab — 27. Juli 1656^), kurz vordem Trauertage der Zerstörung Jerusalems in der Synagoge von derKanzel herab in feierlicher Weise bei der geöffneten heiligen Lade.
Der Inhalt des Bannes war: „Seit lange hat der Vorstand Nachrichtvon den schlechten Meinungen und Handlungen des Baruch d'Espinosagehabt, und diese nehmen noch von Tag zu Tag zu, trotz der Bemühung,
*) Bei Colerus heißt es: sortant äs 1a s^naZoZus portuAniss, bei Bayledagegen: an sortir äs 1a soraöäis. Obwohl der Elftere dafür die Aussageoan de Spycks und seiner Frau citirt, die es aus Spinoza's Munde vernommenhaben wollen, so rst Bayle's Nachricht doch vorzuziehen. Spinoza wurde docheben wegen seiner Absenzen aus der Synagoge gebannt. Seins Wirthe mögendiesen Umstand nicht genau im Gedächtnis; behalten haben.
") S. darüber Note 1.