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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Spinoza.

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trauerte das Märtyrerthum der beiden Bernal'). Und alle dieseMärtyrer und die Tausend noch immer gehetzten jüdischen Schlachtopferder Inquisition sollten, nach Spinoza's Ansicht, einem Wahn nachgejagthaben? Durften die Vertreter der Judenheit in ihrer nächsten Näheseine Ansicht ungerügt durchgehen lassen, daß das Judenthum ein vieltausendjähriger Jrrthnm sei?

Das Rabbinatscollegium, worin die beiden Hauptchachams SaulMorteira und Isaak Aboab ihren Sitz hatten Manasse B. Israelweilte damals in London hatte sich vorher Gewißheit über Spinoza'sSinneswandlung verschafft und Zeugnisse gesammelt. Es war nämlichnicht so leicht, ihn des Abfalls vom Judenthum anzuklagen, da erseine Gedanken durchaus nicht marktschreierisch laut verkündete, wieetwa Uriel da Costa seinen Bruch mit dem Judenthume. Ohnehinführte er ein stilles, in sich geschlossenes Leben und verkehrte wenigmit Menschen. Sein Vermeiden der Synagoge, welches wohl zuerstausgefallen sein mochte, konnte nicht Gegenstand einer rabbinischenAnklage sein. Es ist möglich, daß, wie erzählt wird, zwei seiner Mit-jünger (vielleicht der schlaue Isaak Nahar) sich an ihn gedrängt, ihnausgehorcht und ihn des Unglaubens und der Verspottung des Juden-thums angeklagt haben. Spinoza wurde darauf vorgeladen, verhörtund ermahnt, zu seinem alten Wandel zurückzukehren. Mit Strengeverfuhr das Rabbinat Anfangs nicht gegen ihn, da er ein Lieblingseines Lehrers und wegen seines bescheidenen Wesens und seiner sittlichenHaltung in der Gemeinde beliebt war. Vermöge der Festigkeit seinesCharakters hat Spinoza wohl keinerlei Zugeständnisse gemacht und auder Freiheit der Forschung des Denkens und Verhaltens bestanden.Ohne Zweifel wurde er in Folge dessen mit dem leichten Bann be-legt, d. h. auf 30 Tage wurde jeder nähere Umgang mit ihm unter-sagt. Dieses mochte Spinoza, der, in sich gekehrt, in seiner reichenGedankenwelt Unterhaltung genug fand, weniger geschmerzt haben, alsden oberflächlichen da Costa. Auch fehlte es ihm nicht an Umgangmit christlichen Freunden. Er zeigte daher keinerlei Veränderungseines Wandels. Diese Festigkeit wurde natürlich auf der andernSeite als Halsstarrigkeit und Trotz ansgelegt. Aber Rabbinat wieVorstand wollten dennoch die Strenge des rabbinischen Gesetzes nichtgegen ihn auwenden,, um ihn nicht aufs äußerste, d. h. in die Armeder Kirche zu treiben. Welchen Schaden hätte der Uebertritt einesso bedeutenden Jünglings zum Christenthume in der noch ziemlichjungen, aus Juden mit christlichen Erinnerungen bevölkerten Gemeinde

Vergl. Kayserling a. a. O. S. 200.