158
Geschichte der Juden.
vom Judenthum abwendete, stieg der Qualm der Scheiterhaufen fürjüdische Märtyrer in mehreren Städten Spaniens und Portugalslichterloh auf, in Cnenca, Granada und SanJago de Compostella,in Cordova und Lissabon*).
In der letzten Stadt wurde ein angesehener Marrane ManuelFernando de Villa-Real, ein Staatsmann, politischer Schriftstellerund Dichter, welcher in Paris die Consulatsgeschäfte des portugiesischenHofes leitete, als er einst wieder geschäftshalber nach Lissabon gekommenwar, von der Inquisition eingezogen, geknebelt, und zum Tode geführt<1. Dec. 1652 2). In Cuenca wurden eines Tages (29. Juni 1654)an 57 judaisirende Christen znm Auto da Fs geschleppt. Die meistenwurden nur körperlich und mit Verlust ihres Vermögens gezüchtigt,aber zehn wurden doch verbrannt. Unter ihnen befand sich ein an-gesehener Mann, der Hofsattler Balthasar Lopez ans Valladolid,der es zu einem Vermögen von 160000 Dukaten gebracht hatte. Erwar früher nach Bayonne ausgewandert, wo bereits eine kleineGemeinde von ehemaligen Marranen geduldet wurde, und war nurnach Spanien zurückgekehrt, um einen Neffen zur Rückkehr zum Judcn-thum zu bewegen. Da ertappte ihn die Inquisition, folterte und ver-nrtheilte ihn zum Tode durch Erwürgen und Feuer. Auf dem Wegezum Schaffst machte sich Balthasar Lopez noch über die Inquisitionund das Christenthum lustig. Dem Henker, der ihn binden wollte,rief er zu: „Ich glaube nicht an Deinen Christus, wenn Du michbindest" und warf das ihm aufgezwnngene Kreuz zu Bodens. FünfMonate später wurden 12 Marranen in Granada verbrannt*). Wiedereinige Monate später (März 1655), endete auf dem Scheiterhaufenein blühender und vielversprechender Jüngling von zwanzig JahrenMarcos de Almeyda Bernal (als Jude Isaak), und zwei Monatedarauf (3. Mai desselben Jahres) wurde Abraham Nunes Bernalin Cordova verbrannt °).
Wer in der Amsterdamer Gemeinde nur Verse machen konnte,in spanischer, portugiesischer oder lateinischer Sprache, besang oder be-
y Unrichtig hat Spinoza behauptet, daß nur die portugiesischen Marranenin Portugal dem Judenthum anhänglich waren, weil sie nicht als Vollbürgeranerkannt waren, nicht aber in Spanien. Die Zahl der spanisch - inarranischenMärtyrer war eben so groß als die der portugiesischen in Spanien. tTraktat111, x. 42).
2> Quellen bei Kayscrling, Sephardim, S. 29 und 332.
2) Olorsnts, Iiistoirs äs I'Inquisition sn OspaZns III, p. 472.
Das. III. p 473.
ö) Os Oarrios Oslaaion äs los Lostas p. 57; Oovisrno populäräuäaiso p. 46.