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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Physik, die er mit Liede betrieb, und die neu aufgetauchte imposantePhilosophie des Renä Descartes (Cartesius), für die sein Geisteine ganz besondere Wahlverwandtschaft hatte, erweiterten seinenGesichtskreis und klärten seine Urtheilskraft. Je meist ihm aus ver-schiedenen Kanälen neue Gedanken zuströmten, die er mit den ihmangebornen verarbeitete, je mehr sich sein logisch gerader Verstand ent-wickelte, desto mehr wurde er dem Judeuthum in dem entstellendenrabbinischen und kabbalistischen Aufzuge entfremdet, und es bedurftenicht dazu der Liebe zu van den Enden's gelehrter Tochter Z, um ihndem jüdischen Leben abwendig zu machen.

Die selbstständig urtheilende Vernunft, welche von allem Ueber-lieferten und durch die Zeit Geheiligten absieht und ihrem eigenenGesetze folgt, das war seine Geliebte, der er einen reinen, ungeteiltenCultus widmete, und die ihn dahin brachte, mit seinen ererbten An-sichten zu brechen. Alles, was sich nicht vor dem unerbittlichen Tribunalder klaren menschlichen Einsicht rechtfertigen läßt, galt ihm als Aber-glauben und getrübte Einsicht, wo nicht gar als Wahnwitz. SeinDrang nach Wahrheit, nach der reinen Wahrheit und Gewißheit, führteihn zum völligen Bruche mit der ihm von Jugend auf lieb gewordenenReligion; , er verwarf nicht bloß das talmudische Judenthum, sondernbetrachtete auch die Bibel als Meuscheuwerk. Die scheinbaren Wider-sprüche in den Büchern der heiligen Schrift scheinen zuerst seine Zweifelan der Göttlichkeit derselben angeregt zu Habens. Es mag ihm eine»schweren Kampf gekostet haben, die durch vielfache Bande liebgewordeneGewohnheit und Anschauung aufzugeben, und gewissermaßen einenneuen Menschen anzuziehen. Denn Spinoza war eine ebenso bedeutendsittliche Natur, wie ein tiefer Denker. Etwas für unwahr in derTheorie halten und es doch ans Furcht, Gewohnheit oder Vortheilpraktisch mitmachen, das war.für ihn ganz unmöglich. Er war ganzanders geartet, als der von ihm bewunderte Meister Descartes,welcher sich mit der von ihm entzündeten Fackel der Wahrheit von derKirche fernhielt, um sie nicht in Brand zu stecken, eine Kluft zwischenTheorie und Praxis aushöhlte und beispielsweise für das Gelingenseines auf Umsturz ausgehenden Systems eine Wallfahrt zur Madonnavon Loretto gelobte. Nach Spinoza's Kopf sollte jede Handlung ein treuesAbbild der Vernunft sein. Sobald er im Judenthum die Wahrheit

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