Spinoza. l5L
ebenfalls ein Mystiker und dazu eine hämische Natur mit einem weitenGewissen st.
Der Wissenstrieb stachelte Spinoza, über den beschränkten Kreisder Studien hiuauszugreifen, welche in Morteira's Lehrhaus betriebenwurden. Er vertiefte sich in die Schriften älterer jüdischer Denker,von denen ihn drei zugleich anzogen und abstießen: Jbn Esra mitseinem Freisinn und seiner Mystification, Mose Maimuni mit seinemkünstlichen System, Glauben und Wissen, Judenthum und Philosophiezu versöhnen, und endlich Chasda'i Crescas mit seiner Feindseligkeitgegen die hergebrachte Philosophie. Auch in der Kabbala war Spinozanicht frenid, deren Hanptlehren damals durch Abraham de Hererraio. S. lt7> und Isaak Aboab zugänglich gemacht worden waren.Diese Wissenselemeute wogten und gährten in seinein nach Klarheitringenden Geiste und erregten quälende Zweifel in seinem Innern,wozu am meisten Jbn Esra's verdeckter Unglaube beigctragen hat.Schon als fünfzehnjähriger Jüngling soll Spinoza seinen Zweifel inForm von einschneidenden Fragen an seinen Lehrer Morteira aus-gesprochen haben, welche den in ausgefahrenen Gleisen eingewöhntenChacham nicht wenig in Verlegenheit gesetzt haben mögen st. Zu diesenaus der jüdischen Literatur ihm zugeführten skeptischen Elementen kamenvon Außen neue hinzu. Spinoza lernte auch Lateinisch, was nichtsBesonderes war, da, wie schon erwähnt, fast sämmtliche jüdischeJünglinge Amsterdams, wie die christlichen ans den gebildeten StädtenHollands diese Sprache als Bildungsmittel betrachteten. Allein erbegnügte sich nicht mit der oberflächlichen Kenntniß derselben, sondernwollte tiefer in ihre Literatur eiugeführt werden. Zu diesem Behnfesuchte er den Unterricht eines bedeutenden Philologen seiner Zeit, desArztes Franz van den Enden auf, welcher für vornehme JünglingeAmsterdams und von auswärts Vorlesungen hielt. Hier lernte er inBerührung mit gebildeten christlichen Jünglingen eine andere An-schauungsweise kennen, als in Morteira's Lehrhause und in dem jüdischenKreise. Ban den Enden befruchtete seinen Geist auch formell. Dieserwar nämlich, wenn auch nicht Atheist, so doch ein skeptischer undsatyrischer Kopf, der sich über religiöse Gebräuche und Vornrtheilelustig machte und deren Blößen aufdeckte. Was bei ihm aber nurGegenstand der Laune und des Witzes war, das wurde in Spinoza'sempfänglichem und gährendem Geiste ein anregendes Element zu tiefermNachdenken und Grübeln. Die Naturwissenschaften, Mathematik und
st S. über ihn Note 2.
st Spinoza's Biographie bei Loulaioviilisrs.