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Geschichte der Juden.
Verkümmerung, in der sich damals Religion und Bekenner befanden,konnte selbst sein weltendurchdringender Blick nicht das schöne Gebildeunter der häßlichen Außenseite erkennen. Diese Verkennung machteihn gewissermaßen zum Muttermörder.
Dieser große oder richtiger größte Denker seiner Zeit, welchereine neue Erlösung brachte, war Baruch Spinoza (eigentlichLspiuosa, geb. in Spaniens 1632, st. 1677). Er gehörte einerFamilie an, die weder durch Geistesgaben noch durch Wohlstand hervor-ragte. Kein Zeichen verrieth bei seiner Geburt, daß er noch überzwei Jahrhunderte später als König im Reiche des Gedankens herrschenwerde. Er besuchte mit vielen andern Knaben in Amsterdam, wohinseine Eltern mit ihm ausgewandert waren, die neu errichtete sieben-klassige jüdische Schule. Bei seinen außerordentlichen Anlagen hater sicherlich den Stnfengang wenn nicht überflügelt, so doch eingehakten.Mit dem dreizehnten oder vierzehnten Jahre wurde er wohl vonManasse b. Israel in das Talmudstudium eingeführt und auch inhebräische Grammatik, Rhetorik und Poesie eingeweiht. Die letzteAusbildung im Talmudischen und Rabbinischen erhielt er von SaulMorteira, dem bedeutendsten Talmudisten jener Zeit in Amsterdam.In Morteira's Lehrhaus waren zugleich mit Spinoza einige Mitjüngcr,welche später in die jüdische Geschichte mehr oder weniger eingegriffenhaben, aber ganz andern Schlages waren.
Als der erste Jünger Morteira's galt Mose Zacnt (geb. 1630,st. 1697 2), ein Abkömmling der berühmten Familie dieses Namens.Er bildete von seiner Jugend auf mit seinem Hange zur Mystik undPoesie einen direkten Gegensatz zu Spinoza. Jener liebte das Dunkelund die Verschwommenheit, dieser die Helle und die Bestimmtheit.Zwei Züge mögen Mose Zacnt charakterisiren. Er wurde in derJugend gefragt, was er von den märchenhaften Erzählungen im Talmudvon Rabba Bar-Bar-Chana, welche Münchhansiaden gleichen, glaube,und er antwortete: er halte sie für wahre Geschichten. In der Jugendlernte Zacnt, wie die meisten portugiesischen Jünglinge Amsterdams,Lateinisch; später bereute er so sehr, diese Sprache erlernt zu haben,daß er vierzig Tage fastete, um sie zu vergessen, weil, wie er meinte,diese Zunge des Teufels sich nicht mit der kabbalistischen Wahrheitvertrage. Ein anderer Mitjüngcr Spinoza's war Isaak Naar (Nahar),
*) Vergl. Note 1.
2 , lieber ihn vgl. Steinschneider, 0. L. Nr. 6S52. Eine Anekdote, mitgetheiltvon Nepi (Biographien p>. 224) charakterisirt ihn: (ni:i ivi:) lieb innere' «npve-
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