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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

politischen Stellung der europäischen und naheliegenden asiatischenStaaten hatte. Luzzatto hätte einen brauchbaren Finanz- und Handels-rath abgeben können. Der Zweck, den er mit seiner Verteidigungs-schrift verfolgte, war zunächst, der Böswilligkeit einiger venetianischerPatrizier gegen die Juden in dem Polizeistaate die Waffen zu ent-ziehen. Das eigentliche Volk hatte weniger Antipathie gegen die Juden,es lebte zum Theil von ihnen. Aber unter den Theilhabern an derRegierung gab es fanatisch-religiöse Eiferer und Neider, welche einenoch größere Beschränkung oder gar Ausweisung derselben befürwor-teten. Es war ihnen nicht ganz wohl, daß die venetianischen Juden,die in dem Ghetto eingepfercht, kein Grundstück besitzen und kein Hand-werk betreiben durften, mit ihnen in Geldgeschäften und Handel con-currirten. Die Handelsstadt Venedig, von den neu aufgekommenenSeemächten Holland und England bei weitem überflügelt und auchallmälig aus der Levante verdrängt, sah manches seiner stolzen Handels-häuser in glänzendem Elend, während neue jüdische Kapitalisten anihre Stelle traten und die levantinischen Geschäfte an sich rissen. Mitgeschickten Wendungen und feinen Andeutungen gab Luzzatto den Poli-tikern Venedigs zu verstehen, daß Erschöpfung zu dem beginnendenVerfalle der Republik noch hinzutrat, die Wohlhabenden nur auf Er-haltung des Erworbenen und auf'Genüsse bedacht waren, und derehemalige venetianische Welthandel nahe daran war, in die HändeFremder überzugehen. Die Juden seien daher ein Segen für denStaat geworden. Es sei doch gerathener, den ausgebreiteten Handelnamentlich nach dem Oriente den eingebornen Juden zu lassen und siezu schützen, als ihn den Nachbarstädten oder ganz Fremden zngewendetzu sehen, welche im Lande selbst einen Staat im Staate bildeten, sichnicht immer gefügig gegen die Gesetze zeigten und das baare Geldnach und nach außer Landes führten. Luzzatto rechnete statistisch aus,daß die Juden der Republik jährlich mehr denn 250 000 Ducateneintrugen, daß sie 4000 Arbeitern Brod gaben, einheimische Fabrikatebillig lieferten und Waaren aus den entfernten Ländern herbeischafften fl.Ein Rabbiner mußte erst diese volkswirthschaftliche Seite, welche dieLebensbedingung für die Jnselrepublik war, den weisen Räthen vorAugen führen. Luzzatto machte noch darauf aufmerksam, von wiebedeutendem Nutzen sich die Capitalisten der Juden in jüngster Zeitwährend der Pest und der Auflösung der Polizeiordnung erwiesenhatten, wie sie zuvorkommend dem Staate Geld anboten, um keineVerlegenheit eintreten zu lassen.

fl S. o. S. 132.