146
Geschichte der Juden.
Jugend ausgearbeitet haben wollte, alle Wissenschaften umfassend undalle tieferen Fragen lösend, gab er ein buntes Allerleis.
Delmedigo war so glücklich, wieder einen Schleppenträger zu finden,der das für ihn veröffentlichte, was er unter seinem Namen heraus-zugeben Bedenken trug. Samuel b. Loeb Aschkenasi, der in seinemHause verkehrte, druckte aus Delmedigo's papiernen Schätzen dessenSchutzschrift für die Kabbala und andern Unsinn aus Lurja's mystischenSchriften ab, ebenso ohne Methode und Ordnung. Samuel gab sichnoch dazu her, sich von seinem Meister ausschelten zu lassen, als ober ohne dessen Zustimmung diese Schätze an's Licht gezogen hätte.Um Delmedigo zu verherrlichen, stellte er ihn als einen bekehrtenKetzer dar, der sich zwar früher über die Kabbala lustig gemacht, aberin seinem siebenundzwanzigsten Jahre von ihrer Wahrheit überzeugtworden sei und seitdem der Philosophie den Rücken gekehrt habe^).Das war alles Dunst; denn noch als Dreißigjähriger sprach Delme-digo gegen Serach mit Verachtung von der Geheimlehre. Aber weildamals die Kabbala im Schwange war und alle Köpfe berückte, be-diente sich ihrer Delmedigo, um seine Rechtgläubigkeit darzuthun.
Die Amsterdamer Gemeinde war damals durch das rücksichtsloseAuftreten da Costa's voller Argwohn gegen die philosophisch Gebildeten,und darum hielt es Delmedigo für gerathen, jeden Verdacht des Un-glaubens von sich abzuwenden und sich in den Ruf strengster Gläubig-keit zu bringen. Aber diese durchsichtige Heuchelei brachte ihn nichtweiter. Er wurde allerdings als Prediger und halb und halb alsRabbiner in oder bei Amsterdam angestellt aber er konnte sich dochnur wenige Jahre in Holland behaupten. Unvermögend und uustät,wie er war, begab er sich mit seiner Frau um 1639 nach Frankfurtam Main, um seine Subsistenz zu suchen. Aber hier in einerdeutschen Gemeinde, wo rabbinische Gelehrsamkeit verbreitet war, konnteer nicht ein rabbinisches Amt erlangen, wohl aber seine, wenn auchgeringen medicinischen Kenntnisse verwerthen. Da er weder für dasRabbineuthum noch für die Arzneikunde einen innern Beruf fühlte, so
') Es besteht aus drei Partie«:: li enthaltend Serach b. Nathan'sCorrespondenz und 82 Fragen, Antworten von Mose Metz und Delmedigo'sdirekte Antworten an den und jenen; 2) Lui Delmedigo's Beantwortungauf die 82 Fragen; 3) man yxr> die Fortsetzung. Alles gedruckt in der Officinvon Manasse Ben-Israel, Amsterdam 1629.
2) Einleitung zu .noon msibxn; dieses besteht aus Basel 1629
und rmra eine ganze Reihe kabbalistischer Piecen, Basel 1631.
2) S. oben S. >44 Anmerk. 2.