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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Joseph Delmcdigo.

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Delmcdigo fand es für gut, sich in Polen einen Schein von vor-nehmem Wesen zu geben und sich in den Nimbus des Schweigens und derUnnahbarkeit zu hüllen. Er beantwortete die an ihn gerichteten FragenSerach's Anfangs nicht selbst, sondern ließ sie von einem seiner Be-gleiter, seinem Famulus und Schleppenträger Mose Metz, beantworten.Dieser schilderte seinen Lehrer als einen auserwählten Geist, als einvollendetes Wesen, einen Halbgott, der alles menschliche und göttlicheWissen in seinem Haupte trage. Er entwarf ein Bild von seinem äußerenund inneren Wesen, seinem Handeln und Benehmen, das durchweg nachdem Maßstabe hoher Weisheit geregelt sei, gab Auskunft über seineAbstammung von einer gelehrten und vornehmen Familie, väterlicher undmütterlicher Seits, und band als Mundstück seines Lehrers dem leicht-gläubigen Karäer auf: derselbe habe über alle Zweige der WissenschaftBücher verfaßt, worüber die Welt staunen würde, wenn sie ans Tages-licht kommen würden. Metz theilte ihm auch einige Lehrsätze seinesLehrers über Mathematik, Religion und Philosophie mit und machtedamit Serach's ohnehin, verwirrten Kopf nur noch wirrer. In seinenAeußerungen über das Judenthum, die Delmcdigo selbst oder durch MoseMetz aussprach, war er sehr vorsichtig, ließ wohl hier und da einenSchein von Unglauben durchschimmeru, verdeckte ihn aber schnell miteinem Qualm von gläubigen Redensarten. Nur, wo er es ohneGefahr thun konnte, äußerte Delmcdigo seine wahre Meinung. Da-mals spukte in Podolien eine Wundergeschichte von einem vierjährigenjüdischen Kinde in Grodek (bei Satanow), das, ohne lesen zu können,jede Stelle im Talmud und Sohar auswendig hergesagt und über-haupt geheime Dinge anzugeben gewußt haben soll. LeichtgläubigeRabbinen machten weittönenden Lärm von diesem Wunderkinde unddachten durch dasselbe den Schleier der Zukunft gelichtet zu sehen.Von.weit und breit strömte die Menge nach dem Städtchen, um denPropheten im Kinderkleide zu sehen und brachten reiche Geschenke fürdessen Vater mit. Delmcdigo, gestützt auf den Schutz des FürstenRadziwil, begab sich auch dahin und entdeckte, daß die Wunderdingeauf der Schwindelei des schlauen Vaters beruhten. Wahrscheinlichauf seine Veranlassung hat das Wilnaer Rabbinat den Bann gegenden betrügerischen Vater ausgesprochen Z. Als er sich', endlich herbeiließ, in eigener Person einen Brief an den Karäer Serach zu be-antworten (um 1624) verhehlte er seine Gesinnung nicht, bezeugte seineVorliebe für das Karäerthum und dessen alte Lehrer, überschüttete sieunverdient mit Lobpreisung, stellte die Wissenschaft hoch und belustigte

Z Delmedigo, Dlina, S. SV und 65.