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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Mit Zweifel im Herzen kehrte er nach Kandia ins Vaterhauszurück, erregte mit seiner freieren Denkweise und namentlich mit seinerVorliebe für Profanes Wissen Anstoß. Er machte sich Feinde, die ihnverfolgt haben sollen, und er war genöthigt, sein Vaterland wieder zuverlassen. Damit begann sein Wanderlebeu, das ihn, wie sein VorbildJbn-Esra rastlos von Stätte zu Stätte trieb. Wie dieser, befreundeteauch er sich überall mit Karäern, wo er solche antraf, und diesedrängten sich auch an ihn. In Kairo feierte Delmedigo einen wahrenTriumph mit seinen mathematischen Kenntnissen^, als ein altermohammedanischer Lehrer der Mathematik Ali Jbn Rahmada»,ihn, fast noch Jüngling, zu einem öffentlichen Wettkampfe herausgefordertund unterlegen war. Der Besiegte war großherzig genug, ihn voraller Welt auszuzeichnen. Anstatt sich nach Palästina zu begeben, wieer beabsichtigt hatte, reiste Delmedigo nach Constantiopel, hielt sichauch dort im Kreise der Karäer auf und wanderte zuletzt über dieWalachei und Moldau nach Polen. Da die Mathematik, sein Lieb-lingsfach, kein Brod abwarf, so übte er die Arzneikunde aus, die eraber mehr aus Büchern als am Krankenbette erlernt hatte. In Polengalt er indeß als großer Heilkünstler und wurde Von dem FürstenRadziwil bei Wilna in Dienst genommen (um 1616 1620°).Hier, wo durch die Ueberhandnahme des Talmudstudiums die Wissen-schaft verwaist war, drängten sich lernbegierige Jünglinge und Männerbesonders Karäer, an Delmedigo, um ihren Wissensdurst zu löschen.Ein halbnärrischer Karäer Serach b. Nathan aus Torok, der einegewisse Neigung znm rabbiuitischen Judenthum hegte und wie er selbstvon sich sagte,viel Geld, aber wenig Einsicht hatte", schrieb ihmBriefe über Briefe, kramte vor ihm gereimte und reimlose Narrheitenaus, um in geheuchelter Demuth seine Vielwisserei zu zeigen, legte ihmeine Menge wichtiger Fragen vor, die Delmedigo ihm gewissermaßenauf einem Fuße stehend beantworten sollte, und schickte ihm für denpolnischen Winter einen feinen Zobelpelz zum Geschenke

r) Faulhaber in einem Werke über Logarithmen bemerkt, daß er in Frank-furt a. M. erfahren habe, daß der berühmte Phil. Delmedigo ein Werk überLogarithmen veröffentlicht habe (^a-olüvss, Jahrg. 1855, S. 277).

2) Nur in Polen und Litthauen hielt sich Delmedigo auf, nicht inLievland, wie sein Biograph angiebt, denn die Angabe in --'u ppr> Eingangund im Brief an Serach: nrm anro bei Geiger hebr. S. 2: »rm w «b

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und erwähnt nicht seinen Aufenthalt in Lievland.

Vergl. über ihn auch Neubauer, Beiträge und Documente aus derPetersburger Bibliothek, S. 144 No. 10, S. 124, No. LXX1V. das Frag-ment eines eben so halbnärrischen Briefes an Manasse B. Israel.