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Joseph Delmedigo.
st. 1655 i). Sprößling einer alten und edlen Familie, in deren MitteWissenschaft und Talmud Pflege fanden, Urenkel weiblicher Seits desgradsinnigen Denkers Elia Delmedigo (B. VIII^ S. 244 fg.), warer ihnen wenig ähnlich. Sein Vater Elia, Rabbiner in Kandia,hatte ihn in die talmndische Literatur eingeweiht, aber ihn auch diegriechische Sprache erlernen lassen. Später eignete sich Delmedigoauch die gebildeten Sprachen damaliger Zeit an, außer Lateinisch auchItalienisch und Spanisch. Sprachkenntnisse waren ihm indeß nur MittelAuf der Universität in Padua erlangte er seine wissenschaftliche Aus-bildung; sein klarer Kopf hatte eine entschiedene Neigung für Mathe-matik uud Astronomie, und er konnte sich rühmen, daß er den großenGalilei, den Entdecker der Himmelsgesetze, den Märtyrer für dieNaturwissenschaft, zu seinem Lehrer hatte. Durch ihn wurde er mit demkoperuikanischen Sonnen- und Planetensystem bekannt. Weder bei Del-medigo noch bei irgend einem gläubigen Juden*) regte sich der Wahn,als ob diese Ansicht vom Stillstand der Sonne und der Bewegung derErde im Widerspruche mit der Bibel stände und ketzerisch wäre.Delmedigo erlernte zwar auch die Medicin, aber nur als Brodstudinm,sein Lieblingsfach blieb die Mathematik. Er füllte indeß seinen Geistmit allen Schätzen und allem Plunder des Wissens, er wurde fastnoch mehr Vielwisser als Leon Modena, an den er sich während seinesAufenthaltes in Italien wie ein Jünger an seinen Meister anschloß.Im Kreise der jüdisch-italienischen halben Freidenker büßte er seinenvon Hanse mitgebrachten naiven Glauben ein, wurde von Zweifeln ander Wahrheit des Ueberkommenen beschlichen, hatte aber nicht Wahr-heitsdrang genug in sich, diese Zweifel zu überwinden und sich wiederin Uebereinstimmung mit der angebornen und anerzogenen Glaubeus-ansicht zu setzen, noch ihm Raum zu geben und das Wahrheitswidrigein dem angehäuften Wust schonungslos aufzudecken. Joseph Delmedigowar ebenso wenig wie Leon Modena zum Märtyrer für seine Ueber-zeugnng geschaffen, dieser aus Waukelmuth, jener aus Unaufrichtigkeit.
') Seine Biographie schrieb Geiger in lAslo Olroüis.sira, Berlin 1840.Er hat ihn aber zu glimpflich beurtheilt und seinen Charakter beschönigt. Del-medigo's Todesjahr ist erst später bekannt geworden durch sein Epitaphium inPrag. Ich setze es aus Liebens Sammlung Uo. 81 hierher, weil sich darausauch andere biographische Momente ergeben, welche Geiger unbekannt gebliebensind: i'rn vnbu -'poibw.n bbw.n o:n>n nbs'.LN oin psb 0010 IM nip
riiovnnr >i'>n ',-m. Daß seine
Grabschrift auch auf dem jüdischen Friedhofe in Lublin vorhanden sein soll, istmehr als unsicher, wie mir der erste Entdecker derselben, Herr Michael Leviversicherte.
s*) S. jedoch z. B. n-ms .-isxi-, sä. Jesnitz, sol. 36.s