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Geschichte der Juden.
durch seine nächste Umgebung lästig und widerwärtig, wie kriechendes,schleimiges Ungeziefer, geworden war.
Nicht nur sein Jünger Joseph Chamiz, sondern auch seinSchwiegersohn Jakob Levi, auf den er viele Hoffnung gesetzt hatte,vertieften sich in die Mystik und plagten ihn viel damit. So gleich-gültig, so träge er sonst entgegengesetzten Meinungen gegenüber war,so verdroß ihn doch die unverschämte Anmaßung, mit der die Kabba-listen immer kühner auftraten, als wären sie im Alleinbesitze derWahrheit. Am meisten empörte ihn eine Schrift eines KabbalistenElia Marchiano, welcher alle Inden zu Ketzern stempelte, wenn sienicht an die kabbalistische Lehre glaubten. Der Verfasser entblödetesich nicht, selbst über den hochverehrten Maimuni, das Herzblattder freisinnigen Juden, das Verdammungsurtheil ausznsprechen. Erund sein Gelichter behaupteten mit dreister Stirn: der Glaube an denEn-Sof, die zehn Sefirot und den übrigen kabbalistischen Spuk bedingedie Seligkeit; wer ihn nicht habe, wer auch nur mit einem leisenZweifel daran anstreife, sei ebenso aus dem Judenthnm ausgeschieden,als wenn er die sinaitische Gesetzgebung, die Thora, verleugnete. DieKabbala, bisher nur geduldet, beanspruchte die Oberherrschaft überBibel und Talmud und predigte Unduldsamkeit.
Darum fühlte sich Leon Modena gedrungen, vernichtende Pfeilegegen sie abzuschießen, und er that es mit meisterhafter Geschicklichkeit'wie Niemand vor ihm. Die Kabbala-feindliche Schrift, die er geradeseinem Jünger Joseph Chamiz, dem eingefleischten Lurjanisten, widmete,nannte er „brüllender Löwe (^.ri vollem*). Nach vielen Seiten hinbeleuchtete er die Schwindeleien, den Aberwitz, die Verlogenheit derKabbala und ihres Grundbuches, des Sohar. Aber weder diese Schriftgegen die Kabbala, noch seine Angriffe auf das talmudische Judenthnmwurde von ihm veröffentlicht; es lag dem Verfasser selbst nicht vieldaran, nach dieser Seite hin zu wirken. Bis in sein spätes Altersetzte er seine ungeregelte Lebensweise fort, tadelte sich in seiner Selbst-biographie stets, ohne an seiner Besserung zu arbeiten. Leon Modenastarb kampfesmüde, nicht im Streite gegen die Götter (d. h. Ideen) undMenschen, sondern im Streite mit sich selbst und mit der gemeinenNoth, die er über sich selbst gebracht hat.
Scheinbar ähnlich, aber doch grundverschieden von ihm war derdritte Wühler dieser Zeit: Joseph Salomo Delmedigo (geb. 1591,
>) «in (auch ,i'ix mnv genannt), beendet 1638, edirt von I. Fürst,Leipzig 1840, leider aus einer sehr verdorbenen Handschrift. Sie wurde viel-fach copirt und that ihre Wirkung. I. Bassan, der Kabbalist, beklagte sich.npe-i >e-ip v'ii ^ (o^n >in ^') Lsrsra Lllsinsä II. p>. 63.