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Geschichte der Juden.
gleitet von schwärmerischen Versen in der übertriebenen Manier jenerZeit, worin sie ihm sagte: „Im Herzen trage ich meinen Abgott, undich wünsche, daß jeder ihn anbete." Die schöne jüdische Venetianerinließ sich aber nicht fangen. Sie hielt an ihrem jüdischen Bekenntnissefest und entwickelte ihrem priesterlichen Freunde die Gründe, die siebewogen, das Judenthum vorzuziehen. Vergebens bemühte sich Cebüdurch Zärtlichkeiten, Vorwürfe und sentimales Schmachten mit Hin-weisung auf seine baldige Auflösung und seine Sehnsucht, mit ihr ineinem Himmel vereint zu werden, sie in ihrer Ueberzengung wankendzu machen. Als er sich von ihr die Erlaubniß erbat, für ihr katholischesSeelenheil beten zu dürfen, gewährte sie ihm dies nur unter der Be-dingung,daß sie auch für seine Bekehrung zum Judenthum beten dürfte.
Ihre Ausnahmestellung als Dichterin und ihre Verbindung mithochstehenden Christen trug ihr aber neben Ruhm auch Kränkungenein. Verleumderische Glaubensgenossen verbreiteten das Gerücht übersie, daß sie die Satzungen des Judenthums gering achte und an dieGöttlichkeit desselben nicht recht glaube. Ein gewissenloser christlicherGeistlicher Balthasar Bonifacio, der später einen Bischofsstuhleinnahm, veröffentlichte eine Schrift mit der Anklage, daß die JüdinSara Sullam die Unsterblichkeit der Seele leugnete. Eine solcheBeschuldigung konnte im katholischen Venedig eine ganz andere Wirkunghaben, als gegen Uriel da Costa im freisinnigen protestantischenAmsterdam. Nicht Geldstrafe und Haft standen hier darauf, sondernJnquisitionskerker, Marter und möglicherweise auch der Scheiterhaufen,Kaum von einer Krankheit genesen, schrieb sie eine Rechtfertigung.<1621) oder vielmehr ihr Bekenntnis; sLIemilssto) von der Unsterb-lichkeit der Seele mit reifer Dialektik, männlichem Muthe und zermal-mender Kraft gegen ihren verleumderischen Ankläger. Rührend ist dieWidmung, die sie ihrem entschlafenen Vater darbringt, und nochrührender das inbrünstige Gebet in wohlklingenden, italienischen Versennach Psalmenart. Es verleiht der Verfasserin eine Strahlenkronedaß sie sich bewußt war, sie, das Weib und die Jüdin, könne nichtauf die eigene Kraft vertrauen, sondern nur auf die Hilfe von oben.Der Ausgang der Angelegenheit ist nicht bekannt. — Cebü's Epos„Esther" hat wahrscheinlich Leon Modena angeregt, die Tragödie der-selben Heldin von Salomon Usgne und Garzian (B. H,z S. 326)aus dem Spanischen in italienische Verse zu übertragen; er widmetesie Sara Copia*>, deren Grabschrift er in wohlklingenden hebräischenVersen gedichtet hat.
ff OIrwlli, Uibliotllsou Volants ssotio IV. x, 71, erschienen 1619. Inseiner Selbstbiographie zählt Modena unter seinen Schriften auf: