Sara Copia Sullam.
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selbstständige Verse gemacht. Ein jüdisch-italienischer Dichter redetesie in Versen an: „Mögen Andere große Trophäen besingen, Du ver-verherrlichst Deines Volkes Preis."
Die anmuthige geistvolle Frau Sara Copia (geb. um 1600
st. 1641 *) hat zu ihrer Zeit ein gewisses Aufsehen erregt. Sie war eineselbstständige Dichterin und Denkerin, und ihre Begabung, so wie ihreAnmuth haben ihr Versuchungen und Unannehmlichkeiten zugezogen.Das einzige Kind eines begüterten Vaters, Simon Copia (Coppio)in Venedig, der sie zärtlich liebte, gab sie sich ganz ihrem Hange nachBelehrung hin und ließ sich in Wissenschaften und Literatur einweihen.Diesem Hange blieb sie auch nach ihrer Verheirathung mit JacobSullam treu; Sara Copia Sullam übertraf an Kenntnissen ihrGeschlecht und Männer ihres Alters. Sie schwelgte im Reiche desSchönen und hauchte ihre Begeisterung in wohlgesetzten, zierlichen,weichen Versen ans. Jung, liebreizend, mit einem edlen Herzen unddurchdringendem Verstände, nach Großem strebend und ein Lieblingder Musen, bezauberte Sara Sullam Greise, wie Jünglinge. Ihreklangvolle, musikalisch ausgebildete Stimme erregte Bewunderung. Alsein betagter italienischer Priester, Ansaldo Ceba in Genua, ein Helden-gedicht in italienischen Strophen veröffentlichte, dessen Heldin die Estherder heiligen Schrift bildet, wurde Sara so sehr davon ergriffen,daß sie anonym einen schwärmerischen Brief voll Lobes an den Verfasserrichtete (1618). Es that ihr wohl, eine jüdische Heldin, ihr Ideal,in Versen gefeiert und die Aufmerksamkeit des gebildeten Publikumsauf das jüdische Alterthum gelenkt zu sehen. Sie knüpfte daran dieHoffnung, daß dadurch das Vorurtheil gegen die Juden in der Gegen-wart schwinden würde. Sara verleugnete dem Dichter nicht, daß sie seinepoetische Schöpfung stets mit sich herumtrug und auch Nachts unterihren Pfühl legte. Statt an der aufrichtigen Huldigung einer reinenFranenseele Genüge zu finden, sann CebL im Bekehrungseifer nurdarauf, sie zum Christenthum hiuüberzuziehen. Als er nun gar durchden Mund seines Dieners, den er mit Geschenken und Versen an siegesandt hatte, die Schönheit Sara's rühmen hörte, erwachte in ihmeine geistliche Liebe für sie, die bei manchen katholischen Priestern auchim Alter nicht ganz frei von einer gewissen Sinnlichkeit zu sein Pflegt.Diese wurde noch durch das Zusenden ihres Bildnisses vermehrt, be-
°) Die Correspondenz der S. C. Sullam mit Ansaldo Cebä, mitgetheilt inNio, Iss guubrs rnurt^rss, Paris 1856, x. 85 fg. Die Biographie derselbenlieserte Prof. M. A. Levy im Jahrbuch für die Geschichte der Juden und desJudenthums, III, S. 67 fg. S. auch Wolf Libltotllsos. III. x. 1162. Vergl.Geiger, Jüdische Zeitschrift, Jhrg. 1869 x. 178 ff. Mittheil, von M. Soavs
su. Kayserling a. a. O. x. 355 u. Berliner, -'lau S. 78 ff.).