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Geschichte der Juden.
jüdischen Wucherer Shylock, der sich als Unterpfand für sein Dar-lehen ein Pfund Fleisch von seinem christlichen Schuldner ausbedungenhätte *>. Das eigentliche Volk, die kleinen Handwerker, die Schiffs- undLastträger, waren gerade in Venedig milder und zuthunlicher gegen Judenals in anderen christlichen Städten Jüdische Fabrikanten beschäftigtennämlich in der Lagunenstadt 4000 christliche Arbeiter, so daß derenExistenz von ihren jüdischen Arbeitgebern allein abhing ^). Zur Zeiteiner verheerenden Pest, als selbst in diesem Polizeistaate die Zügelder Regierung lockerer und schlaffer wurden und den Händen der Macht-haber zu entfallen drohten, boten die jüdischen Kapitalisten freiwilligihr Geld dem Staate an, um keine Verlegenheit eintreten zu lassen^).Es gab nicht wenige unter ihnen, welche mit dem gebildeten Standeunter den Christen wetteiferten, elegant die italienische Sprache mündlichund schriftlich zu handhaben und auch gute Verse zu mache». AlsBeispiele können dafür neben den beiden Rabbinen Leon Modena undSimone Luzzatto zwei jüdische Dichterinnen angeführt werden: DeboraAscarelli^) und Sara Copia Sullam. Die Erstere, Gattineines in Venedig angesehenen Mannes, Giuseppe Ascarelli, hathebräische Hymnen in zierliche italienische Slrophen übersetzt und auch
y Leti, der Biograph des Papstes Sixtus V., erzählt eine Sentenz diesesPapstes gegen einen christlichen Shylock, gegen einen römischen HauptmannPaolo Maria Secchi, welcher mit einem Juden, Simson Ceneda,eine Wette bei der Nachricht von der Einnahme Domingo's eingegangen war.Der Einsatz der Wette war ein Pfund Fleisch von Seiten des Juden und tausendScudi von Seiten des Christen, welcher, als er sie gewonnen, auf dem PfundeFleisch bestand, bis der Papst beide Wettende bestraft hat. Diese Nachricht findetsich nur in der ersten Ausgabe von Leti's vitas cki 8ixbc> V. und in den darausentstandenen direkten Editionen i?. III. I,. II. x. 146 ff.) und in den Ueber-setzungen; in der zweiten Ausgabe ist sie weggelasfen. Auch Schudt hat sieausgezogen (jüdische Merkwürdigkeiten II. S. 192). Ueber das Unterschiebendes Juden als Sündenbock, ss. Allg. Ztg. des Judenthums, Jhrg. 1838,S. 285 ff.j und das schöne Gedicht von Leop. Feld mann in L. A.Frankl's Libanon S. 108. — Schudt referirt aus einigen Quellen, daßes einen Shylock in Constantinopel unter Soliman I. gegeben haben soll.Möglich, daß Shakesspeare diese Sage benutzt und die Scene nach Venedigverlegt hat. Seine Commentatoren geben aber an, daß er das Sujet denQ ssba ilornauoillrll entnommen habe, in welchen ein Ritter einem Kaufmann(nicht gerade einem jüdischen) gegenüber ,,all sein Fleisch" verpfändet hat.
2) S. Luzzato a. a. O. c. 9. p. 33 b.
o) Das. o I und x. 9 a, x>. 29 a.
^) Das. o. 8, x. 31 b.
Ihre Uebersetzung des pxv von Mose Risti erschien 1601/2 oder
1609 in Venedig, Vgl. Steinschneider, C. B., p. 1988 und Kayserling, die jü-dischen Frauen in der Geschichte, Literatur und Kunst, S. 354 f. Wolf undde Rossi sprechen nur von ihrer Hymnenübersetzung. Zum Schluß dieser Uebersetzungfinden sich' auch Gedichte an sie und von ihr. In der Widmung des HerausgebersDavid Della Rocca, sagt er, er habe ihr und ihrem Gatten viel,zu danken.