Die Venetianer Gemeinde.
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thum eine Lanze einlegen und an einem andern den Stab darüberbrechen. Er verdammte das Spiel und beklagte sich über sein Miß-geschick, daß die Sterne ihm diesen unglückseligen Hang zugetheilt haben— er glaubte nämlich auch an Astrologie — und arbeitete doch eintalmudisches Gutachten zu dessen Vertheidigung aus. Als das Vene-tianer Rabbinatscollegium den Bann über Karten und Würfel aussprach,wies er nach, daß das Spiel nach talmudisch-rabbinischen Prinzipiengestattet sei, und der Bann dagegen keine Berechtigung habe^). Einstfragte ihn sein Jünger Joseph Chamiz, Arzt und Mystiker, was ervon der kabbalistischen Seelenwanderung halte, worauf Leon Modenaerwiderte: Einem Andern gegenüber würde er mit dem Munde dieFrage bejahend antworten, wenn er auch vom Gegentheil überzeugtwäre — um nicht als Ketzer und Thor verschrieen zu werden; ihmgegenüber wolle er aber sein aufrichtiges Glaubensbekenntniß aussprechenDarauf arbeitete Leon Modena eine Schrift aus, um das Lächerlicheund Unjüdische an dem Seelenwanderungsglauben hervorzuheben ^).Aber so schwach wurzelte auch diese Ueberzeugung in seinem Innern,daß er, einmal von einem außerordentlichen Vorfall betroffen, dochwieder, auf einen Augenblick wenigstens, an die von der Kabbala sosehr in den Vordergrund gestellte Seelenwanderung glaubte^).
Im Ghetto von Venedig muß es damals ganz anders ausgesehenhaben, als in denen von Frankfurt, Prag und in den polnischen Juden-vierteln, daß ein Mann mit den eigenthümlichen Grundsätzen wie LeonModena wirkliches Mitglied des Rabbinats sein konnte, zugleich miteinem andern, Simone Luzzatto, welcher eben so wenig Stockrab-biner war. In dieser 6000 Seelen starken^), nächst Rom größtenitalienischen Gemeinde gab es gebildete Juden, welche an der ita-lienischen und europäischen Cultur regen Antheil nahmen und mit derchristlichen Gesellschaft nicht bloß in geschäftlichem, sondern auch inliterarischem Verkehr standen. Die Mauern des Ghetto bildeten keinescharfbegrenzende Scheidewand zwischen der jüdischen und christlichenBevölkerung. In dieser Zeit, in dem Zeitalter des großen drama-tischen Dichters Shakesspeare gab es, wenigstens in Venedig, keinen
st Isaak Lampronti, talmudische Encyclopädie ,snr> ins, Artikel --in.
st Abhandlung über Metempsychose, betitelt in ;s abgedruckt in derSammelschrift oopi opis p. 61 f.
st Asuläi (s. v. Jehuda Arje Modena) versichert, diesen Umstand in dessenSelbstbiographie gelesen zu haben. In dem mir vorliegenden Seminar-Exempl.fehlt dieser Passus.
st Die Seelenzahl der Venetianer Gemeinde giebt Simone Luzzato inäisoorso obren il sbato äsZli Usbrsi o. 8 x. 28 b.
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