128
Geschichte der Juden.
Beim Oeffnen seiner Wohnung nach dein vernommenen Schüssefanden die Eindringenden seine Selbstbiographie: „Ein Beispieldes menschlichen Lebens" auf seinem Tische, worin er Juden undJudenthum auf die Anklagebank setzte und mit pathetischen Sätzen,wie sie ihm die aufgeregte Phantasie in der letzten Stunde einge-geben hatte, Alles, was jüdisch ist, brandmarkte.
Sowohl durch seine That, wie durch diese seine Hinterlassenschaftbekundete da Costa, daß er sich mehr von Gefühlen übermannen, alsvon Ideen »nd Gesinnungen leite» ließ. Er war weder ein theoretischerDenker, noch ein praktischer Weiser, noch ein mannhafter Charakter.Wie er überhaupt keinen abgerundeten Gedankenkreis hatte, sondernnur das Vorhandene als falsch und schlecht verneinte und es zerstörtwünschte, weil es ihm im Wege war, so hatte er auch keinen dauerndenEindruck hinterlassen. Seine jüdischen Zeitgenossen verharrten in hart-näckigem Stillschweigen über ihn, als wollten sie sein Andenken inVergessenheit verfallen lassen. Er wirkte etwa wie ein Bube, derin einem alterthümlichen, stockig gewordenen Gebäude die Fenster zer-trümmert und dadurch der Luft einen Durchzug öffnet.
Der zweite maulwurfartige Wühler dieser Zeit, Leon (Jehuda)b. Isaak Modena (geb. 1571, st. 1649*), war anderen Schlages undin einer anderen Mitte erzogen. Leon Modena stammte aus einergebildeten, bei der Vertreibung der Juden aus Frankreich nach Italien(Modena) eingewanderten Familie, deren Ahnen in Unklarheit desGeistes neben ihrer Bildung abergläubischen Wust oder Schrullen imKopfe trugen. Sein Großvater Mardochal Modena, ein berühmterArzt seiner Zeit, vom Kaiser Karl V. zum Ritter des goldenen Vließesernannt und auch talmudisch gelehrt, ließ vor seinem Tode durch dasCitiren eines Bibelverses den Ausgang seiner Krankheit verkünden.Einer seiner Oheime verschwendete sein Vermöge» in alchimistischenVersuchen. Sein Vater Isaak befragte einen Zukunftverkünder nachdem Tode seiner ersten Frau, ob er eine ihm zugedachte zweiteheirathen sollte, und ob er glücklich mit ihr sein weroe. Der bedeutendstein der Familie, den sich Leon zum Muster genommen, war sein GroßoheimAbtalion Modena (geb. 1529, st. 1611), der in der Profan-Lite-
Auch er hat eine Selbstbiographie hinterlassen: .nim> "n handschriftlichin mehreren Bibliotheken, auch in der Seminarbibliothek (cod. 84) vorhanden. Aus-züge daraus gaben Carmoly Lsvus Orisntals, 1842, p. 49 fg. Reggio rmrwMopn 1852, Geiger zweimal in demselben Jahr 1856 in Liebermanns Volks-kalender und Jahrbuch und in einer Monographie über Leon da Modena. Ich be-merke, daß er sich ausdrücklich in der Selbstbiographie Leon Modena und nichtda Modena nennt: xi Mi ni ni'-nr: nruo 2 . 1 m >m.