Uriel da Costa.
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sondern als treuer Jude zu leben. Darauf begab er sich auf Zu-flüstern des ersten Rabbiners, wahrscheinlich Saul Morteira's^), ineinen Winkel der Synagoge, mußte seinen Körper bis zum Gürtelentblößen, worauf er neununddreißig Geißelhiebe erhielt. Dannmußte er sich auf die Erde setzen, worauf der Bann gelöst wurde.Damit noch nicht zu Ende, mußte er sich auf die Schwelle der Syna-goge Hinstrecken, damit die Anwesenden über ihn hinwegschreiten sollten.Es war allerdings ein Uebermaß von Büßung, das nicht aus Ver-folgungssucht oder gar aus Rachegefühl, sondern aus religiöserSkrupulosität und Nachäffung katholischer Formen über ihn verhängtwurde. Kein Wunder, wenn die erlittene Schmach und Demüthigungden empfindlichen da Costa, der sie nicht aus inniger Reue auf sichgenommen, sondern wegen Erschöpfung im Kampfe nur über sich hatteergehen lassen, tief brannten, sein ganzes Wesen erschütterten und ihmGedanken der Rache eingaben. Statt die Rabbinen als Werkzeugehistorischer Zustände zu beklagen, haßte er sie als Auswürflinge derMenschheit mit glühendem Rachegefühle, als wenn sie auf nichts alsauf Betrug, Lüge und Bosheit sännen. Sein verletztes Ehrgefühl undseine erhitzte Phantasie sahen in allen Juden der Amsterdamer Ge-meinde, womöglich in allen Juden auf dem Erdenrunde, seine persön-lichen, giftigen Feinde und im Judenthum nur ein Institut, die Menschenzu Haß und Verfolgung gegen einander zu reizen. Da er sich vonerbitterten Gegnern umgeben glaubte und sich zu schwach zu neuemKampfe fühlte, beschloß er zu sterben, aber zugleich Rache an seinemHauptverfolger, seinem Bruder (oder Vetter) zu nehmen. Um dasMitleid der Mit- und Nachwelt mit seinem Mißgeschick zu erregen,schrieb er seine Leidensgeschichte und sein Bekenntniß nieder, das aberkeinen frischen Gedanken enthält, sondern nichts als Verbissenheit und ge-hässige Ausfälle gegen die Juden, untermischt mit Anschwärzungengegen sie in den Augen der Christen: daß sie z. B. noch zu seiner ZeitJesus würden gekreuzigt haben, daß der Staat ihnen nicht Freiheit desBekenntnisses einräumen sollte. Diese während der Vorbereitung zumTode ausgearbeitete Schrift athmete nichts als glühende Rache gegen seineFeinde. Nachdem er sein leidenschaftliches Testament vollendet hatte,lud er zwei Pistolen, drückte die eine auf seinen an seinem Hause vor-übergehenden Verwandten ab, und als diese fehlte, verschloß er dieThür seines Zimmers und entleibte sich durch die andere (April 1640).
h In den Worten des Uxsruplsr llurususs vibss (bei Limborch p. 663)':ncosssit sä rns Lssrsbissiiuus xrsssss, susvrrsus ruilü tu sursru, ut.äivsitsrsru sä su^nluru gnsucls.ru Lzmsgogss, ist Morteira zu verstehen,der damals schon erster Chacham war.