Druckschrift 
10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

Geschichte der Juden.

treten: der Gemeinde. Der Krieg zwischen diesen und ihm brach da-her von neuem aus. Die Rabbinen luden ihn zum zweiten Mal vorihr Tribunal, hielten ihm seine religiösen Uebertretungen vor und er-klärten ihm: er könne nur dadurch dem zweitmaligen verschärften Banneentgehen, wenn er sich einer öffentlichen feierlichen Buße unterwerfenwollte. Mehr noch aus Ehrgefühl als aus Ueberzeugung verwarf erdiese Buße, und so wurde er von neuem in den Bann gelegt undzwar in einen viel härtern, in dem er wiederum sieben Jahre ver-harrte. Während dieser Zeit wurde er von den Gemcindemit-gliedern mit Verachtung behandelt und öfter angespieen. Am härtestenverfuhren seine Brüder und seine Vettern gegen ihn, weil sie ihn da-durch zur Buße zu zwingen gedachten. Sie rechneten auf seine Un-beholfenheit und Schwäche. Und sie hatten sich nicht verrechnet.

Da Costa war inzwischen in's Mannesalter getreten, durch dieKämpfe und Aufregungen mürbe geworden und sehnte sich noch mehrnach Ruhe. Auf dem Wege Rechtens, den er bei den AmsterdamerBehörden eingeschlagen hatte, konnte er nichts erlangen, weil seineKlage nicht faßbar formnlirt werden konnte. Er sagte daher Alleszu, was man von ihn: zu seiner Demüthignng verlangt hatte. Seineöffentliche Buße sollte eine sehr strenge sein. Es gab zwar keine be-stimmte Vorschrift darüber im Religionscodex; ja eigentlich solltees gar keine öffentliche Buße geben, der Sünder soll seine Vergehengegen die Religion nicht laut verkünden, sondern sie still vor Gott be-kennen ^). Das Judenthum hat von Hause aus einen Widerwillengegen Beichte und Ableiern eines Sündenbekenntnisses. Aber geradedeswegen blieb es dem Rabbinats-Collegium überlassen, eine Formfür die Buße willkürlich anzugeben. Die Amsterdamer Rabbinen undder ans Marranen bestehende Vorstand nahmen dabei die düstere Formdes Inquisitions-Tribunals zum Muster.

Sobald da Costa seine Unterwürfigkeit zngesagt hatte, wurde erin eine der Synagogen geführt, die voll von Männern und Frauenwar; es sollte eine Art jüdisches Auto da F6 sein und seiner Reuedie größtmögliche Oeffentlichkeit gegeben werden, weil das von ihmausgegangene Aergerniß öffentlich war. Dort betrat er die Empor-bühne und las sein Sündenbekenntniß ab: daß er den Sabbat ent-weiht, die Speisegesetze übertreten, Glaubensartikel geleugnet und Per-sonen Widerrathen habe, dem Judenthum beizutreten. Er erklärtefeierlich, sich nicht mehr solcher Vergehungen schuldig machen zu wollen,

S. darüber Naiwnrü, Hilebob Tesvllnba II. Z 2 und Abraham B.David's Bemerkung dazu. Nicht einmal Eleasar von Worms im Lollsaollhat in dem Abschnitt von der Buße etwas von lugubren Ceremonien.