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Geschichte der Juden.
Sinne) nur von der Gassenjugend öffentlich gehöhnt, mit Steinen ge-worfen, in seinem eigenen Hause öfter gestört und beunruhigt (ermeinte immer durch Aufreizung der Rabbinen), so traten nach demErscheinen seiner Schrift die officiellen Vertreter der AmsterdamerGemeinde mit einer Anklage bei dem Magistrat auf: daß er mit demVerleugnen der Unsterblichkeit der Seele nicht bloß gegen die Lehredes Judenthnms, sondern auch gegen das Christenthum angekämpftund Irrlehren verbreitet habe. Da Costa wurde hierauf verhaftet,blieb mehrere Tage ini Kerker, wurde zuletzt zu einer Geldstrafe(300 Gulden) verurtheilt, und seine Schrift wurde zum Scheiterhaufenverdammt. / Der freieste Staat jener Zeit glaubte damals doch dasRecht zu haben, Denk- und Schreibfreiheit zu überwachen und zu be-schränken; nur für die Leiber zündete er keinen Scheiterhaufen an.Da Costas Stammesgenoffen müssen ihn indessen nicht so sehr verfolgt,haben, denn er hielt es doch den langen Zeitraum von fünfzehn Jahrenim Zustande des Gebanntseins aus. Nur die Vereinsamung lasteteschwer auf ihm; er ertrug es nicht, von den Seinigeu wie ein Ver-pesteter gemieden zu werden. Da Costa war kein starker Geist, keinDenker ersten Ranges, der in seiner Ideenwelt wie in einem unend-lichen Raume glücklich lebt, unbekümmert um die Außenwelt, froh vonihr bei Seite gelassen zu sein. Er aber konnte die Welt nicht missen.Er hatte sein Kapital bei einem seiner Brüder angelegt, und er glaubtees gefährdet, wenn er den Krieg mit der Gemeinde fortsetzen würde.Er hatte im Sinne, eine Frau in sein Haus zu bringen, was ihmals Gebanntem unmöglich war. Daher gab er dem Drängen einesseiner Verwandten zuletzt nach, sich mit der Gemeinde auszusöhnen.Er wollte, wie er sagte, „unter Affen auch ein Affe sein". Er bekanntesich mit den Lippen zum Judenthume, gerade zu der Zeit, als er inner-lich gründlich mit ihm zerfallen war.
Da Costa war nämlich durch seine Grübeleien auf eine neueEntdeckung gekommen: Das Judenthum, selbst das rein biblische, könnenicht göttlichen Ursprungs sein, weil es der Natur in vielen Punktenzuwiderlaufe, und Gott, als Schöpfer der Natur, dürfe sich in derOffenbarung nicht widersprechen. Er dürfe daher durch das Gesetznicht gebieten oder verbieten, wenn er in die Natur eine entgegen-gesetzte Regung eingepflanzt hat. Es war der erste Ansatz zu der inFrankreich und den Niederlanden damals auftauchenden de'istischenRichtung, welche Gott nur einseitig in der Natur, aber nicht allseitigim Sittengesetz, in der Religionsbildung und Staateneutwickelung erkannte.Da Costa's Theorie dachte sich eine dem Menschen angeborene Natur-religion, die aus sich selbst das Sitteugesetz erzeugt und aufgebaut