Uriel da Costa.
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religiösen Gemeinschaft und den Gemeindeverhältnissen, wenn er inseiner Uebertretung der religiösen Satzungen verharren sollte. DerWiderstand reizte den heftigen Mann nur noch mehr: er wollte durchdie Opfer, die er gebracht hatte, sich' nicht neue Fesseln erkauft haben.Er fuhr fort, sich über das Bestehende hinweg zu setzen und wurdein den Bann gethan. Seine eigenen Verwandten, die sich leichter indas neue Bekenntniß eingelebt hatten, Mieden ihn und richteten keinWort an ihn. So stand da Costa inmitten einer großen Stadt allein.Von seinen Stammesgenossen, Freunden und Verwandten geschieden, mitden christlichen Bewohnern Amsterdams, deren Sprache er noch nichterlernt, ohne Verbindung und auf sich selbst angewiesen, verfiel erimmer mehr in Grübeleien. Aus Ueberreizung wollte er eine Schriftin feindseligem Sinne gegen das bestehende Jndenthnm veröffentlichen,und besonders den grellen Gegensatz desselben mit der Bibel hervor-hcbcn. Als unerschütterlichen Beweis gedachte er besonders anzu-führen, daß jenes nur leibliche Strafen und Belohnung kenne und vonUnsterblichkeit der Seele nichts lehre. Aber unter der Hand kam erans die Entdeckung, daß die Bibel selbst über ein jenseitiges , reinspiritualistisches Leben Stillschweigen beobachtet und eine vom Körperlosgelöst gedachte Seele gar nicht in den Kreis der Religion hineinzieht.Kurz, sein Denken führte ihn, so wie über den Katholicismus und dasrabbinische Judenthum, so auch über die Bibel hinweg. , Man weißnicht, auf welche Weise es bekannt wurde, daß der gebannte da Costadamit umginge, ein öffentliches Aergerniß zu geben; denn man kamihm zuvor. Ein jüdischer Arzt, Samuel da Silva, veröffentlichte(1623) in portugiesischer Sprache eine Schrift: „Abhandlung über dieUnsterblichkeit der Seele", „um die Unwissenheit eines gewissenGegners zu widerlegen, der im Wahnsinn viele Jrrthümer behauptet."Im Verlaufe nannte der Verfasser den Uriel deutlich und bezeichneteihn als „blmd und unfähig". Da Costa glaubte, seine Gegner, be-sonders die Rabbinen, hätten da Silva's Feder gemiethet, um ihn an-zufeinden, so beeilte er sich, seine Schrift der Oeffentlichkeit zuübergeben (1624—25, ebenfalls Portugiesisch): „Prüfung der Phari-säischen Traditionen, verglichen mit den geschriebenen Gesetzen undEntgegnung wider den falschen Verleumder Samuel da Silva." Daßer seinen Gegner einen Verleumder «annte, beweist eben seine Unklar-heit und Befangenheit; denn er behauptete doch in der That darin,was da Silva ihm vorgerückt hatte, daß die Seele nicht unsterblichsei. Da er dadurch seinen Bruch mit dem Judenthume unzweideutigangekündigt hatte, so mußte er die Folgen über sich ergehen lassen.Wurde er früher als Gebannter, Ketzer und Epicuros (im talmndischen