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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Wanderung auszusetzen, Haus und Hof zu verlassen, eine geachtete Stellungin der Gesellschaft aufzugeben, die sichere Gegenwart mit der ungewissenZukunft zu vertauschen. Trotz der argusäugigen Auflaurerei derInquisition und der weltlichen Behörden gegen Marranen gelang esder Familie da Costa doch ein Schiff zu gewinnen und nach Amsterdamzu entkommen (um 161718). Gabriel da Costa und seine Brüderunterzogen sich zugleich der Operation, um in den Bund des Juden-thums ausgenommen zu werden. Der Erstere änderte seinen christ-lichen Vornamen in Uriel um.

Eine heißblütige Natur, ein Enthusiast, dessen Phantasie dieUrteilskraft übermannte oder gar außer Thätigkeit setzte, hatte sichUriel da Costa ein Ideal vom Judenthume entworfen, das er inAmsterdam auzutreffen gedachte, wie es in Wahrheit nimmer war.Biblische Zustände, von rein pentateuchischen Gesetzen getragen, dachteer in der jungen Amsterdamer Gemeinde verwirklicht zu sehen, einenhohen Flug des Geistes zu finden, der ihm die Räthsel, welche ihmdie katholische Kirche nicht lösen konnte, mit einem Schlage klären würde.Was die katholischen Beichtväter ihm nicht bieten konnten, das glaubteer von den Rabbinen Amsterdams erlangen zu können. Da Costa hattereligiösdogmatische Luftschlösser gebaut und war erbittert darüber, sienicht in der wirklichen Welt anzutreffen. Er fand bald, daß das religiöseLeben der Amsterdamer Gemeinde und die feststehenden Gesetze nichtmit den mosaischen oder pentateuchischen Vorschriften übereinstimmten,sondern ihnen, oft entgegengesetzt waren. Da er große Opfer für seineUeberzeugung gebracht hatte, so glaubte er ein Recht zu haben, seineMeinung freimüthig zu äußern und auf die Kluft hinzuweisen, welchezwischen dem biblischen und dem rabbiuischen Judenthum liege. Cr wartief verstimmt, erbittert und gereizt und ließ sich davon vollständig be-herrschen. Er blieb nicht bei aufregenden Worten stehen, sondern rich-tete anch sein Thun danach ein, setzte sich offen über Religionsgebräuchehinweg und glaubte damit noch ein Gott verdienstliches Werk zu thun,den Anordnungen derPharisäer" (wie er, an die Sprache der Kirchegewöhnt, die Rabbinen nannte) entgegen zu treten. Freilich zog ersich dadurch Unannehmlichkeiten zu, die sich immer mehr zu einemtragischen Knoten schürzten. Sollten die Amsterdamer Juden, die so-viel für ihre Religion gelitten, ruhig mit ansehen, wie eines ihrerMitglieder das ihnen so theuer gewordene Judenthum offen verletzteund verspottete? Die im Lande der Inquisition Geborenen und Er-zogenen hatten von Duldung und Gewährenlassen jeder Ueberzeugungkeine Ahnung. Die Rabbinen, vielleicht Isaak Usiel und Joseph Pardo,bedrohten da Costa mit dem Banne, d. h. mit der Ausstoßung aus der