Uriel da Costa.
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macht hatten. Sein Vater wenigstens, der zu den höheren StändenPortugals gehörte, war strengkatholisch geworden. Der junge Gabriellernte vom Vater Kirchlichkeit und Cavaliertugenden, war gleich ihmein guter Reiter und wurde in einen zwar beschränkten, aber für diedamalige Zeit ausreichenden Bildungskreis eingeführt. Er betrat dieLaufbahn, welche allein noch für Jünglinge des hohen portugiesischenBürgerstandes offen blieb, vermöge welcher sich die Begabteren zuhöheren Aemtern und zu einer gewissen Gleichstellung mit dem Adelerheben konnten. Er wurde für die Rechtswissenschaft vorbereitet,welche auch einen Uebergang zum zweiten Stande, dem geistlichen, an-bahnen konnte. In seiner Jugendzeit hatte der Jesuitenorden schoneine gewaltige Macht über die Gemüther errungen, und seine Mittel,die Phantasie zu überreizen und die Geister durch Ausmalung derewigen Verdammniß und Höllenstrafen zu knechten, hatten sich bereitsbewährt. Nur Pünktliches, mechanisches, kirchliches Thun und ewigesBeichten konnten die Schrecken der Hölle überwinden. Gabriel da Costaaber fühlte sich trotz seiner pünktlichen Kirchlichkeit im Gewissen nichtberuhigt : die täglichen mechanischen Hebungen verfehlten ihre Wirkungauf sein Gemüth, und das fortwährende Beichten, um Absolution durchdes Priesters Mund zu erlangen, sagte ihm, je reifer er wurde, destoweniger zu. Es war etwas von dem grübelnden jüdischen Geiste inseinem Wesen geblieben, das an dem festgezimmerteu katholischenGlaubenssystem in seinem Inneren rüttelte. Je mehr er sich in diekatholisch-jesuitische Dogmenlehre vertiefte, desto mehr Zweifel stiegenin ihm auf und beunruhigten sein Gewissen. Er nahm indessen einhalbgeistliches Amt als Schatzmeister an einer Stiftskirche an (uni1615). Um seine Zweifel zu bannen, griff er nach den ältesten Urkundender heiligen Schrift. Die Propheten sollten ihm die Räthsel lösen,welche die römisch-katholischen Kirchensatzungen ihm täglich aufwarfen.Der frische Geist, der ihn aus der heiligen Schrift alten Testamentes,wenn auch in entstellter lateinischer Hülle anwehte, brachte seinemInnern Beruhigung. Die Glaubenslehren des Judenthums schienenihm um so gewisser, als sie eigentlich doch auch von dem neuenTestamente und der Kirche anerkannt wurden, während diese von demJudenthum verworfen werden. Dort allgemeine Zustimmung, hierWiderspruch. Da Costa faßte den Entschluß, den Katholicismus zuverlassen und zum Judenthum zurückzukehren. Von schneller, heftigleidenschaftlicher Gemüthsart, wie er war, suchte er ihn rasch zu ver-wirklichen. Seiner Mutter und seinen Brüdern theilte er mit großerVorsicht seine Absicht mit — sein Vater war bereits gestorben — undauch sie waren entschlossen, sich der Gefahr einer heimlichen Aus-