108
Geschichte der Juden.
ff
Juden, hochstellen! erwarten wir den ruhmreichen Tag, welcher sie zumHaupt der Nationen machen wird. O, die Zeit ist nah, in welcher jedersich glücklich fühlen wird, welcher das Gewand eines Juden auch nurwird anfassen können! Unser Heil kommt von ihnen. Unser Jesuswar einer der ihrigen. Wir sind in ihre Verheißungen und Bevor-zugungen hineingebracht. Die natürlichen Zweige sind abgeschnittenworden, damit wir als Pfropfreiser eingesetzt werden können. Laßtuns nicht um Gottes Willen undankbar gegen sie sein. Nein, wirhätten genug, wenn wir alle ihre geistigen Reichthümer hätten" *).
Während die Zulassung der Juden in England auf so vielSchwierigkeiten stieß, hegte die holländische Regierung Argwohn gegendie Bemühung Manasse B. Israels, ihre Ansiedelung durchzusetzen.Sie mochte befürchten, daß die Amsterdamer Juden mit ihren Kapi-talien sämmtlich nach England auswandern würden. Manasse mußtedeswegen den holländischen Gesandten in einer Unterredung beruhigenund ihm versichern, daß seine Bemühung nicht den holländischen Juden,sondern den von den Argusangen beobachteten Marranen in Spanienund Portugal gälte, denen er ein Asyl in England verschaffen wollet-
Manasse B. Israel wartete bereits ein halbes Jahr in Londonum von Cromwell einen günstigen Bescheid zu erhalten, ohne daß esdazu gekommen wäre. Der Protektor hatte keine Muße für die Juden-angelegenheit; er hatte damals vollauf zu thuu, um die nöthigenGelder für die Verwaltung des Staates nud die auswärtigen Kriegezu verschaffen, die ihm ein Parlament nach dem andern versagte, unddie Verschwörung der Royalisten gegen sein Leben zu vereiteln.Manasse's Begleiter, welche die Hoffnung auf Erfolg aufgegeben hatten,verließen daher London; Andere, welche, ans der pyrenäischen Halb-insel entflohen, auf dem Wege dahin waren, kehrten um und ließensich in Italien oder Genf nieder fl.
Indessen ermatteten die Judenfreunde nicht und hofften nochimmer eine günstige Bewegung in der Bevölkerung zu erzeugen. Einer„der Heiligen" veröffentlichte eine kleine Schrift (April 1656), woriner den Vorgang bei der Berathung wegen der Aufnahme der Judenkurz zusammenfaßte, und dann hinzufügte: „Wie der Ausgang sein
fl Tovey a. a O. x. 279. (Vgl. Dilzl. a.aAlo-jaäaioa. Nr. 286.)fl Der holländische Gesandte Neuport in England berichtete December1655 an seine Regierung: iUaaasssli 6. ll. liablr dssa bo sss ras g-aä äiäLssurs ras, bllab lis äotlr aob ässirs aa^ bbällA tor birs llsres ia Hollaaädab oal^ kor blisss s.8 sit. ia blrs iagaisiiioa ia 8xaia aaä l?or-duZal; Thurloe a. a. O. IV, x. 333.fl Rettung Israels, s. 7.