Druckschrift 
10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

Verhandlung der Jndenfrage in London. 107

zu gewinnen.Können wir es ihnen aber predigen, wenn wir sienicht unter uns dulden wollen?" Cromwell schloß darauf die Berathungund wollte nach eigenem Ermessen die Angelegenheit entscheiden.

Allein er hatte nicht bloß den Widerstand fanatischer Geistlichengegen sich, sondern auch den der Menge, welche deren vorurtheilsvolleStimmung theilteZ. Die Judenfeinde machten alle Anstrengung, umdie Bevölkerung gegen die Zulassung einzunehmen. Sie verbreiteten,die Inden gingen damit um, die Bibliothek von Oxford durch Kaufan sich zu bringen und womöglich die Panlskirche in eine Synagogezu verwandeln. Sie suchten Cromwells Judenfreundlichkeit zn ver-dächtigen und sprengten ans: eine Gesandtschaft asiatischer und PragerJuden wäre nach England gekommen, um Untersuchungen anzustelleu,ob nicht Cromwell der erwartete Messias der Juden sei. Am meistenfanatisch aufregend gegen die Juden wirkte ein geistlicher Rumor-wacher und Pamphletschreiber, William Prynne. Er verfaßte einegiftige Schrift:Bedenken wegen der rechtmäßigen Zulassung derJuden in England"^), worin er alle lügenhaften Beschuldigungengegen sie, von ihrer Falschmünzerei und ihrer Kreuzigung von Christen-kinderu, wieder aufwärmte und die judenfeindlichen Dekrete aus dem13. Jahrhundert kurz zusammentrug, um den Namen Jude verhaßtzu machen. Auch von anderen Seiten erschienen Flugschriften gegensie. Ein Holländer Johann Hoornbeek verfaßte ein ganzes Buchüber die Bekehrung der Juden, worin er nur scheinbar Gutes vonihnen sagte, im Grunde aber sie anzuschwärzen beabsichtigte^). EinEngländer, der sich zur Zeit in Cassel aufhielt, John Dnry, wollteauch seine Stimme über die Jndenfrage vernehmen lassen, wog dasFür und Wider ab und neigte sich endlich der Ansicht zu, daß esdoch bedenklich sei, die Juden in England zuzulassen. Seine Schriftwurde gedruckt und verbreitet ^). Wahrscheinlich auf Cromwells Veran-lassung schrieb Thomas Collier eine Widerlegung gegen Prynne'sAnklagen, die er dem Protektor selbst widmete. Er rechtfertigte darinsogar Jesu Kreuzigung durch die Inden und schloß seine Schrift miteiner im Geschmack jener Zeit gehaltenen Wendung:Laßt uns sie, die

') Thurloe schrieb t7. December desselben Jahres an Cromwells Sohn:llbs lilis äillsrsnos I ünck in tbs oonnssl, smä so anronFsb tlrs Ollristiansa-bronä; (lollsetiorr ol 8ts.tss-1?s.xsr8 IV. p. 321.

Die polemische Schrift, erschienen 1655/6, hat den Titel: 8bort OsrauireraMinst Ilrs Isrvss soninnnsä rsraitbsr Indo HirZlanä. sVgl. Hibliollrssa.anßlo-suäaies. Nr. 278.s

Horndsslr äs Oonvortsnäis llnänsis 1655.

Harlsinn Nisosliar,^ VII. p. 246 fg. Das Schreiben vom Januar1656 ist in demselben Jahre gedruckt sVgl. Libliollisos. anAlo-snäs-ioa. Nr. 277.)