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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

und ihren Aufenthalt in allen blühenden Ländern der Welt hat, sowohlin Amerika wie in den andern drei Welttheilen. Diese bedeutendeund mächtige Insel allein ist davon ausgenommen. Daher müssenwir, ehe der Messias eintritt und unsere Nation wieder herstellt, auchhier unseren Wohnsitz haben." Der andere Grund war formulirt:daß durch die Juden der Handel Englands einen großen Aufschwungdurch Ausfuhr und Einfuhr von allen Theilen der Welt nehmen werde.Diesen Punkt des Nutzens, den die Juden gewähren könnten, entwickelteer ausführlicher, um nachzuweisen, daß sie vermöge ihres Welthandels,ihrer Treue und Anhänglichkeit an die ihnen gastfreundlichen Länderberücksichtigt zu werden verdienten. Außerdem aber sollten sie ver-möge ihres alten, ja ältesten Adels und der Reinheit ihres Blutesbei einem Volke, welches auf solche Vorzüge Werth legt, besondersbeliebt sein.

Den Handel, dem die Juden meistens ergeben waren, faßteManasse B. Israel von einem höheren Gesichtspunkte ans. Er hattedabei den Großhandel im Auge, den die portugiesischen JudenHollands mit Münzen verschiedener Länder (Wechselgeschäft), Diamanten,Cochenille, Indigo, Wein und Oel betrieben. Die Geldgeschäfte, welchesie machten, beruhten nicht auf Wucher, worauf die Juden Deutsch-lands und Polens angewiesen seien, sondern sie legten ihre Kapitalienin Banken an und begnügten sich mit vier oder fünf Prozent Zinsen.Die Kapitalien der Portugiesischen Juden in Holland und Italienseien deswegen so bedeutend, weil auch die Marranen in Spanien undPortugal ihre Baarschaft denselben zum Verkehr übergeben, um siegegen die Habsucht der Inquisition sicher zu stellen. Daher legteManasse auf den Nutzen, welchen sich England von seinen aufzunehmen-den Landsleuten versprecken könnte, ein starkes Gewicht. Er meinte,daß die Hauptbeschäftigung und gewissermaßen der Naturtrieb derJuden aller Länder seit ihrer Zerstreuung der Handel, ein Werk derVorsehung und der göttlichen Güte gegen sie war, damit sie durchangehäufte Schätze Gunst in den Augen der Herrscher und Völkerfinden mögen. Sie seien darauf angewiesen, weil sie durch die Un-sicherheit ihrer Existenz in fremden Ländern keine Ländereien besitzenkönnen. Dein Handel würden sie demnach bis zur Rückkehr in ihrangestammtes Land obliegen müssen; denn dannwürde cs keinenKrämer mehr im Lande des Herrn geben", wie ein Prophet verkündet.

Manasse B. Israel gab darauf einen Rundblick über die Länder,wo die Juden zu seiner Zeit oder kurz vorher vermöge ihres Handelszu Ansehen gelangt waren, und zählte die Persönlichkeiten auf, welchedurch ihre Dienste an Staaten oder an Fürsten es zu einer hohen