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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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88 Geschichte der Juden.

die Heiligen und Lieblinge Gottes, d. h. die Juden, verfolgt haben,und es sei eine dringende Mahnung, diese große Sünde durch Zulassungund brüderliche Behandlung derselben wieder gut zu machen. DieBevorzugung und Auserwähltheit Israels belegt der Verfasser mitzahlreichen Bibelversen. Er beruft sich auf einen Prediger, welcherim Parlamente geäußert hat, anknüpfend an den Vers:Rühret meineGesalbten nicht an und mißhandelt nicht meine Propheten", daß dasWohl und Wehe der Welt von der guten oder schlechten Behandlungdes Gottesvolkes abhänge. Gott habe dieses Volk vermöge seinesgeheimen Rathschlusses bis auf den heutigen Tag erhalten, und eineglorreiche Zukunft sei ihm Vorbehalten.Daher ist es unsere Pflicht,alles Mögliche aufzubieten, um die Juden zu begünstigen, zu trösten,so weit es angeht, ihnen Genugthuung für ihr unschuldiges Blut zugeben, das in diesem Reiche vergossen wurde, und sie mit uns inFreundschaft und Verkehr zu einigen." Diese Schrift nimmt auch dieJuden gegen die Beschuldigung in Schutz, Jesum gekreuzigt zu haben.Jesu Tod sei nur auf Betrieb der Synhedristen, und nicht des Volkeserfolgt. Mit den eindringlichsten Worten legt sie den Engländernan's Herz,die betrübten und unglücklichen Juden zu trösten". Ammeisten werden wohl der Papst und seine Anhänger über die brüder-liche Behandlung der Juden empört sein, sie, welche noch immer Grau-samkeiten und Demüthigungen über das Volk Gottes verhängen. DiePäpste zwängen die Inden ein Schandzeichen zu tragen und dieKatholiken jede Berührung mit ihnen zu vermeiden, weil die JudenGötzen und heidnischen Cultus verabscheuen.

Diese mehr als judenfreundliche, geradezu judenverherrlichendeSchrift machte das größte Aufsehen in England und Holland. ManasseB. Israel war entzückt davon, er glaubte dem Ziele nahe zu sein, zumalihm sein Freund Holmes gleich darauf schrieb: er selbst bereite eineSchrift über das tausendjährige Reich vor, worin er die hohe Bedeutungder Juden für die einstige Gestaltung der Zukunft hervorheben werde ^).Manasse B. Israel machte sich sogleich ans Werk, dieses Ziel seiner-seits herbeizuführen. Er wie die christlichen Mystiker in England trugjedoch eine Sorge im Herzen: was denn aus den verschollenen Zehn-stämmen, die der assyrische König Salmanassar verbannt hat, gewordensei? Eine Wiederherstellung des jüdischen Reiches ohne diese Zehn-stämme schien unmöglich, ja die Beglaubigung der prophetischen Ver-heißungen war davon bedingt. Die Vereinigung von Juda und Israel,welche manche Propheten so eindringlich verkündet habe», bliebe un-

i) S. die vorangegangene Note.