Die Puritaner in England.
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Kriegsmuth schöpfen, sondern lediglich aus dem alten. Die christlicheBibel mit ihren essäisch-mönchischen Gestalten, ihren Teufelsbeschwörern,ihren Betbrüdern und himmelnden Heiligen bot keine Musterbilder fürKrieger, welche einen wortbrüchigen König, eine falsche Aristokratie undunheilige Priester bekämpfen mußten. Nur die großen Heldengestaltendes alten Testaments, welche Gottesfurcht im Herzen und das Schwertin der Hand hatten, diese zugleich nationalen und religiösen Streiter,konnten den Puritanern als Vorbild dienen: die Richter, welche dasunterdrückte Volk vom Joche der Fremdherrschaft befreiten; Saul,David, Joab, welche die Feinde ihres Landes zu Paaren trieben;Jehu, der einem götzendienerischen und lasterhaften Königshause einEnde machte, das waren die Lieblingsgestalten der puritanischen Krieger.In jedem Verse der biblischen Schriften. Josua, Richter, Samuelund Könige sahen sie ihre eigene Lage abgespiegelt, jeder Psalm schieneigens für sie gedichtet zu sein, wie sie, von gottlosen Feinden ringsumgeben, durch ihr Gottvertrauen die Heerschaaren nicht zu fürchtenbrauchten. Oliver Cromwell kam sich wie der Richter Gideon vor,der Anfangs nur zaudernd der Gottesstimme folgte, dann aber muthigdie Schaaren der anstürmendeu Heiden zerstreute, oder wie JudaMakkabi, der aus einerHandvoll Märtyrer siegreiche Streiter machte *).
Sich in die Geschichte, die Prophezeiung und die Poesie desalten Testaments vertiefen, sie als Ausfluß göttlicher Offenbarungverehren, darin mit allen Regungen des Herzens leben, und das Volk,den Träger und Erzeuger aller dieser Herrlichkeit und Größe, nichtals besonders bevorzugt und auserkoren halten, war unmöglich. Unterden Puritanern gab es daher ernstliche Bewunderer des „VolkesGottes", und Cromwell gehörte auch dazu. Es schien ihnen einstaunenswerthes Wunder, daß dieses Volk, welches Gott durch großeGnade und harte Züchtigung so sehr ausgezeichnet hat, daß diesesVolk, oder ein Rest desselben, noch existirt. Der Wunsch regte sichin ihrem biblisch gestimmten Herzen, dieses lebendige, wandelnde Wunder,Juden, mit eigenen Augen zn sehen, es in die, in England zuerrichtende, Gottesgemeinde hineinzuziehen und ihr damit gewissermaßendas Siegel aufzudrücken. Bezeichnend für die Gefühle, welche die
fl Mit Recht bemerkt C. Schöll, Vers, des Artikels Puritaner inHerzogs Realencyclopädie für Protest. Theol. XII. S. 393: „In seiner Vater-landsliebe gleicht Oliver den Römern der alten Zeit, in seinem theokratischenEifer den Richtern des alten Bundes. Seine ganze religiöse Anschauung mitall ihrer Stärke und Schwäche wurzelt im alttestamentlichen Boden. Mantausche Namen und Zeiten, und Oliver's Charakter und ganzes Thun wirdverständlich."