drücken konnten, diesen so gelehrten und charaktervollen Rabbinen fürdas Christenthum gewonnen zu sehen.
Am meisten drängten sich an Manasse Ben-Israel christlicheSchwärmer heran, welche das Eintreten des fünften Reiches, der Herr-schaft der Heiligen (nach der Sprache Daniels) träumten. Der blut-triefende dreißigjährige Krieg, welcher Eigenthum und Leben der Rohheitwilder Landsknechte überliefert hatte, die tyrannische Unterdrückungder nach innerlicher Befreiung und Sittlichkeit ringenden Gläubigen— in England durch die Bischöfe und das weltliche Regiment undin Frankreich durch die Despotie Richelieu's — erweckten in schwär-merischen Männern die Gedaukeureihe, daß die vom Buche Daniel undder Apokalypse verkündete messianische Zeit des tausendjährigen Reichesnahe und daß die Kriegsnöthe nur die Vorläufer der nothwendigenGnadenzeit seien. Diese phantastischen Schwärmer zeigten sich denJuden sehr günstig; sie mochten diese große Veränderung nicht ohneTheilnahme derer sich vollziehen lassen, an die doch eigentlich die Ver-kündigungen zuerst ergangen seien. Sie gaben demnach zu, daßdie Juden wieder Besitz vom heiligen Lande nehmen müßten, was sichaber nicht so leicht, selbst nicht durch Wunder erringen ließ. Denndazu müßten zuerst die verschollenen Zehustämme wieder aufgefundenund versammelt werden, wenn die prophetischen Worte nicht zur Erdegefallen sein sollten. Sodann müßten die zur Besitznahme des heiligenLandes versammelten Stämme doch ihren Messias haben, einen Sproßvom Stamme Jsat's. Aber was sollte dann aus Jesus, als Christus,d. h. als Messias Werden, an den doch die Juden schlechterdings nichtglauben wollten? Auch diese Zugeständnisse machten einige Enthusiastendes fünften Heiligen-Reiches zu Gunsten der Juden, ihnen einen eigenenMessias einzuräumen in der Erwartung, daß sich der Rang-Streitzwischen dem jüdischen und christlichen Heiland und Erlöser gegebenenFalls würde ausgleichen lassen.
Solche apokalyptische Schwärmereien fanden in Manasse Ben-Jsrael's Herzen eine wiederhallende Saite. Erwartete doch auch er,wenn auch nicht das tausendjährige Reich der Heiligenherrschaft, sodoch, nach kabbalistischer Verkündigung, das baldige Eintreffen derMessiaszeit. Der Sohar, das auch von ihm als göttlich verehrte Buch,sagte mit unzweideutigen Worten, daß die Guadenzeit für Israel ganzbestimmt mit dem Jahre 5408 der Welt (1648) anfangen werdest.Manasse war, wie schon gesagt, vor Allem in seinem innersten WesenMystiker, seine klassische und literarische Bildung war bei ihm nur
ff S. darüber Note 3.