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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Stande, den sie z» seiner Zeit eingenommen hatte, und wußte genau,,was sich über jeden Punkt sagen läßt, d. h. von Vorgängern gesagtworden ist. Dagegen hatte er von denjenigen Wissenszweigen, welcheGeistesschärfe verlangen, von Philosophie und Talmudkunde, nur ober-flächliche Kenntuiß. Seine starke Seite war eben diese seine Schwäche.Die Leichtigkeit zu sprechen und zu schreiben verleitete ihn zur Viel-sprecherei und Schreiberei. Wie er über 400 ausgearbeitete Predigtenin portugiesischer Sprache hinterließ, so verfaßte er auch eine MengeSchriften, welche einen ganzen Katalog füllen, die jedoch die in den-selben behandelten Themata nur oberflächlich lösen.

Zum Muster für seine Schriftstellerei hatte er sich Isaak Abrabanelgenommen, dessen Urenkelin Rahel Soeira er geheirathet hatte. Ausdiese Verbindung war Manasse nicht wenig stolz, weil er des festenGlaubens war, die Abrabanels stammten aus königlich davidischemGeblüte, und daß er dem davidischcn Hause Nachkommen erhalte.Gleich Abrabanel arbeitete er ein Werk (Oonoiliackor) aus, in welchemdie Widersprüche in der heiligen Schrift gelöst und versöhnt werdensollten^); er ahmte ihn auch in der Form nach, nämlich eine Reihe vonFragen aufzuwerfen, um darauf die Lösung zu geben. Nur ist Ma-nasse's Darstellung, wenn auch eben so unbefriedigend, doch nicht soaußerordentlich weitschweifig und langweilig. Der Amsterdamer Pre-diger richtete sein Angenmcrk meistens auf dogmatische oder religiös-philosophische Punkte und bemühte sich nachzuweisen, daß die Thorain ihren Lehren durchgehends folgerichtig sei und keinen Widerspruchcuthalte. Zu diesem Zwecke zog er massenhafte theologische Gelehr-samkeit herbei, um die thatsächlichen oder willkürlich aufgeworfenenSchwierigkeiten aufzuheben. In seiner Beantwortung von 180 Fragenim Pentateuch allein erfährt man aus seinemVersöhner" wohl, wasdie'großen jüdischen, christlichen und auch heidnischen Denker, die Tal-mudlehrer oder dieheiligen kabbalistischen Theologen" (wie er sienennt) über diese und jene Punkte gedacht und geäußert haben, nurnicht, was er selbst Neues darüber gedacht hat. Der ganze Inhaltdieses so weitläufig angelegten Werkes ist für unsere Anschauung undunfern Geschmack vollständig werthlos. Vieles darin ist geradezu un-sinnig. Noch werthloser ist seine einige Jahre später verfaßte Schriftüber die Auferstehung, worin er Alles, was von den jüdischen undchristlichen Vorgängern darüber geschrieben war, znsammengetragenhat. Manasse Ben-Israel war ein sehr dankbarer Leser; er nahm nicht

') Der Conciliador ursprünglich spanisch, erster Band über Pentateuch, derwichtigste Theil, gedruckt 1632.