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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

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achselzuckenden Verächtlichkeit auf die heilige Schrift und ihre einfache.Größe herab, oder vielmehr sie war für sie so gut wie nicht vor-handen. Wo hätten sie auch Zeit hernehmen sollen, sich mit ihr znbeschäftigen? Und was sollten sie auch mit diesen Kindergeschichtenaufaugen, an die sich kein Scharfsinn anbringeu ließ? Allenfallswußten sie etwas von der Bibel aus den Abschnitten, welche in denSynagogen vorgelesen wurden, und aus dem, was der Talmud ge-legentlich anführt. Der Sinn für die einfach-erhabene Größe derbiblischen Lehren und Charaktere, sowie überhaupt für das Einfacheund Erhabene blieb ihnen daher verschlossen. Drehen und Verdrehen,Advokatenkniffigkeit, Witzelei und voreiliges Absprechen gegen das,was nicht in ihrem Gesichtskreise lag, wurde solchergestalt das Grund-wesen der polnischen Juden. Dünkelhafter Hochmuth auf das eigeneWissen, auf Gelehrsamkeit im Talmud und Rechthaberei hafteten auchden besten Rabbinen an und untergruben ihr sittliches Bewußtsein.Religiös waren die Polnischen Juden natürlich, außerordentlich fromm;aber auch diese Frömmigkeit beruhte auf Klügelei und Ueberhebuug.Einer wollte den Andern darin übertreffen oder vielmehr besser wissen,was der Codex für diesen und jenen Fall vorschreibt. So sank dieReligion in ihrer Mitte nicht bloß, wie unter den Juden andererLänder zu einem mechanischen, gemüthslosen Thun herab, sondern zneiner spitzfindigen Auslegungskunst. Wissen oder Befferwisseu warfür sie Alles, handeln nach den erkannten Grundsätzen religiöser Lauter-keit, sie für ein sittliches Leben auzuwenden, daran dachten nur Wenige.Biederkeit und Rechtssinn waren ihnen eben so abhanden gekommen,wie Einfachheit und Sinn für Wahrheit. Der Troß eignete sich dieseskniffige Wesen der Hochschulen an und gebrauchte es, um den minderSchlauen zu überlisten. Er fand an Betrügerei und Ueberlistung Lustund eine Art siegreicher Freude. Freilich gegen Stammgenossen konnteList nicht gut angewendet werden, weil diese gewitzigt waren; aberdie nichtjüdische Welt, mit der sie verkehrten, empfand zu ihrem Schadendiese Ueberlegenheit des talmudischen Geistes der polnischen Juden.Daß der Talmud und die großen Lehrer des Judenthums Betrügereiund Uebervortheilung gegen Andersgläubige fast noch mehr brand-marken als gegen Stammgenossen, daran kehrten sich die polnischenSöhne des Talmud wenig *).

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