Das Talmudstudium in Polen.
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Salomo Lurja und Mose Jsserles (IX.g S. 436 fg.), einen Um-fang wie bis dahin in keiner Zeit und in keinem Lande. Das Be-dürfnis; nach Talmudexemplaren war z. B. so groß, daß in kaum zweiJahrzehnten drei Auflagen gedruckt werden mußten, ohne Zweifel inTausenden von Exemplaren Z. Jeder nach Achtbarkeit strebende Mann,mochte er selbst nicht gelehrt sein, schaffte sich eine Bibliothek alterund neuer talmudisch-rabbinischer Schriften an. Von Polen gingenfast alljährlich neue Auslegungen, Ergänzungen und Abhandlungenüber diesen Literaturzweig aus, wurden beliebt, gesucht und fandenVerleger und Leser. Es schien, als wenn die Polnischen Juden einMonopol auf Talmudkunde gehabt hätten.
Die Vertiefung in den Talmud war allerdings in Polen eingrößeres Bedürfniß als im übrigen Europa. Die Rabbiner hatten,wie schon gesagt, eigene Gerichtsbarkeit und entschieden nach talmudisch-rabbinischen Gesetzen. Die Massenhaftigkeit der Juden in Polen undihre Prozeßlust gaben Veranlassung zu verwickelten Rechtsfällen, diekaum im Codex (Lobulelurn Xrueli) augedeutet waren. Die Richter-Rabbineu mußten daher auf die Rechtsguelle, auf den Talmud, zurück-gehen, um für solche Fälle Anhaltspunkte zu suchen und mußten, weildie Parteien meistens selbst kundig und gewitzt waren, ihre Herleituugenund Vergleichungen scharf begründen; sie wurden zu sehr kontrollirt.Das rabbinische Civilrecht fand daher in Polen eine ganz außer-ordentliche Pflege und Erweiterung, um auf alle Fälle gefaßt und dengelehrten Parteien zugänglich zu sein. So lag gewissermaßen dieimmer zunehmende Kniffigkeit der Lehrmethode in den Verhältnissenund Bedürfnissen, und man muß noch den Umstand hinzunehmen, daßEiner den Anderen an Haarspalterei übertreffen wollte.
Es wäre ermüdend, die talmudisch-rabbinischen SchriftstellerPolens in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts aufzuzählen.Die besonders Hervorragenden, welche einen dauernden Namen erlangthaben, liefern auch schon den Beweis von der erstaunenswerthenFruchtbarkeit der polnischen Talmudisten, wie sie dieses einseitige undbeschränkte Fach erweitert und bereichert haben. Die älteren Autori-täten dieser Zeit waren: Josua Falk Kohen, Meir Lublin undSamuel Edels. Der Lebensgaug dieser rabbinischen Häupter undihrer Nachfolger ist einander so ähnlich, daß sich kaum ein irgendwie unterscheidender Zug erkennen läßt. Sie besuchten von Jugendauf ein oder mehrere Lehrhäuser, füllten „ihren Leib mit Talmud"
st Der Talmud wurde gedruckt in Krakau zweimal 1602—1605 und 1616bis 1620, in Lublin 1617—28, dann wieder in Krakau und Lublin von 1644 ab.