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Geschichte der Juden.
Schwiegersohn, wenn er sich auf einem der Disputirplätze, den tal-mudischen Messen in Lublin oder Jaroslaw, unter den vielenTausend bemerkbar gemacht oder ausgezeichnet hatte, ein Rabbinaterlangte, sei es, daß er dazu berufen oder daß ihm ein solches ge-kauft wurde. Denn in Polen, wo alles verkäuflich war, war es auchdas Rabbinat*). Einfach praktischer Rabbiner (^b-bst-vin) sein, wardamals wenig, einem Lehrhause vorstehen (llooob ckesokibn) war schonmehr, als höchste Staffel der Größe aber galt: seine talmudischen„Neuigkeiten" (Obiäckusvlnw) gedruckt zu sehen, was eben so viel hießals von Tausenden beachtet und kritisirt zu werden. Denn neu-erschienene Bücher über talmudische Stoffe — andere kamen gar nichtin Betracht — kamen vermöge der polnischen Messen und Synodensehr rasch in Umlauf und Fluß und bildeten in- und außerhalb derLehrhäuser den Gegenstand der Unterhaltung, beifälliger oder hämischerBemerkungen, bis sie nach Verlauf einiger Jahre heilig gesprochenwurden und Autorität erlangten. Die Unterhaltung einer eigenenHochschule mit recht vielen Zuhörern und die Autorschaft eines nam-haften Buches berechtigten zu den höchsten Ehrenstellen, entweder voneiner der größten Gemeinden berufen oder in den Synodalkörper ge-wählt zu werden, was allerdings nur den Gelehrtesten und Scharf-sinnigsten Vorbehalten blieb"). Es gehörte nämlich nicht wenig dazu.Wer in Polen auch nur als Talmudkundiger (Unwäan) anerkannt seinwollte, mußte den Talmud fast auswendig kennen und den ganzendazu gehörigen Lehrstoff beherrschen. Dieses erforderte eine beispiel-lose Hingebung und Entsagung. An ei» Genießen des Lebens war dabeinicht zu denken, sondern die ganze Zeit mußte diesem einen Strebenzugewendet, und selbst der Schlaf mußte überwunden werden. DieTalmudbeflissenen brachten nämlich nicht nur die Tage, sondern auchdie Nächte in den Lehrhäusern oder Studirstuben zu. Auch die Häus-lichkeit wurde vernachlässigt. Gemächlicher Verkehr mit Frau undFamilie, Aufmerksamkeit auf die Erziehung der Kinder galten alsStörungen, womit sich ein Talmudbeflissener so wenig als möglichbefaßte. Nur die geistesgeweckten Söhne, wenn sie in das Alter traten,in die Hallen des Talmud eingeführt zu werden, wurden vom Vaterbeachtet; die zum Studium untauglichen dagegen und die Töchterwurden vollständig vernachlässigt, der Mutter oder dem Zufall überlassen.
Solchergestalt erlangte das Talmudstudium in Polen, welcheszuerst durch drei Männer angeregt worden war, durch Schachna
*) Lipmann Heller, Selbstbiographis S. 29 fg.
") Vcrgl. darüber Nathan Hannover, -Invran Nsrmla, Ende.