Die Könige Stephan Bathori und Sigismund III., welche die Kosakenzu kriegerischen Unternehmungen und zur Abwehr gegen Einfälle vonTataren und Türken brauchten, hatten ihnen in der Ukraine und Klein-rußland eine gewisse Selbstständigkeit eingeräumt, sie theils zu stehen-den Kriegern und theils zu freien Bauern gemacht, welche der Leib-eigenschaft enthoben bleiben sollten, und über sie einen Hauptmannaus ihrer eigenen Mitte ernannt, einen Attaman (Hetman), miteigenen Abzeichen seiner Würde. Aber der bigotte Sinn des KönigsSigismund III. und die Jesuiten machten aus den Kosaken, welche einElement der Stärke für Polen hätten werden können, ein Elementewiger Unzufriedenheit und Empörung. Die Zaporoger waren größten-theils Anhänger der griechischen Kirche, nicht aus Ueberzengung, sondernans träger Gewohnheit, wie denn überhaupt im südlichen Polen dasgriechisch-katholische Bekenntniß vorherrschend War. Nachdem die Päpstevermittelst der Jesuiten die polnischen Dissidenten geschwächt und unter-drückt hatten, arbeiteten sie daran, auch die Griechisch-Katholischenentweder mit der römischen Kirche zu vereinigen oder zu vertilgen.Bei dem kriegerischen Sinn der Kosaken war aber diese Umwandlungnicht so leicht, daher wurde ein förmliches System der Knechtunggegen sie angewendet. Ein Aufstand der Kosaken, um diese Bedrückungabzuwehren, unter einem geistlichen Führer Nalewaiko, scheiterte, unddiese Niederlage vermehrte noch ihren Druck. Drei adlige Häuserhatten vornehmlich die Colonisation in der Ukraine und Kleinrußland:die Koniecpolski, die Wischniowiecki und die Potocki, und dieseüberließen die Pacht der auf die Kosaken fallenden drückenden Auflagenihren jüdischen Geschäftsführern. So breiteten sich allmählich jüdischeGemeinden aus in der Ukraine und Kleinrußland und noch darüberhinaus. Die Kosaken mußten z. B. von jedem neugeborenen Kindeund von jedem Neuvermählten Paare eine Abgabe zahlen. Damitkein Umgehen der Abgaben eintreten könnte, hatten die jüdischen Pächterdie Schlüssel zu den griechischen Kirchen und so oft der Geistlichetaufen oder trauen wollte, mußte er den Schlüssel von ihnen aus-bitten Im allgemeinen war die Stellung der Juden in den rein-polnischen Landstrichen besser, als da, wo auch noch eine deutsche Be-völkerung angesiedelt war, wie in den größern Städten Posen, Krakau,Lublin, Lemberg.
Vermöge ihrer Massenhaftigkeit, ihrer Bedeutung und ihres ein-heitlichen Verbandes bildeten die Juden in Polen im eigentlichen
*) Usauxlan, ässerixtion äs 1'IUrrnins p. 17. Hin und wieder über-gaben Adlige ihren jüdischen Agenten die Aufsicht über die Festungen in dieserGegend; vergl. ckoaobim Uastorius, liistoriabsIliLcz-tdieo-OosaoviLi p.209.