Drittes Kapitel.
Chmielnicki und die Verfolgung der Juden in Polendurch die Kosaken.
Zustand der Juden in Polen vor der Verfolgung. Entstehung der Kosaken.Die Synoden. Das gesteigerte Talmudstudium in Polen. Die Autoritäten:Falk Kohen, Me'tr Lublin, Samuel Edels, Joel Serkes. Sabbatai Kohen,Einfluß der rabbinischen Lehrweise auf den Charakter der polnischen Juden.Verbindung der Juden mit dem Adel und den Jesuiten zur Knechtung derKosaken. Bogdan Lhmielnicki. Erster Sieg der Kosaken, Mißhandlung derJuden. Gemetzel in Nemirow, Tulczyn, Homel, Polonnoie, Bar; Vertilgungder Karäergemeinden in Luck und Deraznia. Gemetzel in Narol. DerFriedensschluß. Die Synode von Lublin; neuer Fasttag für Polen ein-gesetzt. Gemetzel in Litthauen, Kleinpolcn und Großpolen. Flüchtigepolnische Juden. Rückwirkung der polnischen Verfolgung auf die Judenheit.
(1648 — 1656 .)
Polen war zwar nicht mehr wie früher die große Freistätte fürdie Söhne Jnda's, seitdem die verblendeten Könige die Jesuiten insLand gerufen, um ihnen die Abrichtung der Söhne des Adels undder jungen Geistlichkeit für die fanatische Kirchlichkeit in die Händezu geben und den widersetzlichen Sinn der polnischen Dissidenten zubrechen. Die Väter der Zwietracht, ans welche die vielfache TheilungPolens als erste Urheber znrückgeführt werden muß, suchten auch diestille Macht, welche die Juden vermöge ihrer Geldmittel und ihrerKlugheit auf die adlige Bevölkerung ausübten, zu untergraben undgesellten sich zu deren anderweitigen Feinden, den deutschen Gewerks-nnd Handelszünftlern, um sie zu beschränken und zu unterdrücken.Oester kamen seit dieser Zeit Judenhetzen in Polen vor; bald riefendie deutschen Zünftler, bald die Jesuitenschüler „hepp hepp" gegen sie.Indessen war ihr Zustand in Polen doch erträglicher, als in Deutsch-land und Italien. In den Drangsalen des dreißigjährigen Kriegessuchten flüchtige Juden Polen auf*). Die kanonischen Gesetze wurdenhier doch nicht mit aller Strenge ans sie angewendet. Der König
S. weiter unten.