Die Mantuaner Gemeinde.
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Die streitige Erbfolge nach dem Tode des letzten Gonzaga zogMantua in die Händel des dreißigjährigen Krieges hinein. Bei derfast acht Monate dauernden Belagerung arbeiteten und kämpften dieJuden um die Wette mit den christlichen Bürgern. Bei Befestigungder Mauern ruhten sie nicht einmal am Sonnabend; ihre rabbinischenLeiter erklärten es für gestattet. Indessen half alle diese Anstrengungnicht, die deutschen „Teufel", wie die Italiener die Schaar Aldringer'sund Gallas' nannten, eroberten die schöne Stadt, plünderten, zerstörtenund mordeten drei Tage hintereinander. Das Ghetto wurde jedochnur kurze Zeit geplündert. Warum? Die kriegerischen Befehlshabergeboten den Soldaten Halt, um die Beute für sich zu behalten. Aldringerließ den Juden verkünden (28. Juli 1630), daß sie sämmtlich binnendrei Tagen Mantua zu verlassen haben und weiter nichts als ihreKleider am Leibe und drei Ducaten baar jede Person mitnehmeudürften; das Wenige, das sie behalten hatten, wurde chnen von dengemeinen Soldaten entrissen. So wurde die ganze Mantuaner Ge-meinde halbnackt und im elendesten Zustande ausgestoßen, der Hungers-noth und Pest preisgegebeni). Nur sechszehn Juden behielten diedeutschen Kriegsobersten zurück, um von ihnen durch Marter die Ver-stecke zu erfahren, wo die abgezogenen Juden ihre Barschaften ver-borgen haben möchten. Indessen brachten drei eifrige Juden, JakobChajim Cafes, Samuel Fano und Abraham Horwitz ausInnsbruck, auf einsamen Wegen die elende Behandlung der MantuanerGemeinde zur Kenntniß des Kaisers. Die Hofjuden in BegleitungFerdinands ll. in Regensburg vereinigten ihre Anstrengung, ihn günstigfür sie zu stimmen. Dieser erließ auch sofort ein Schreiben (2. Sept.)an den Gouverneur Callalto, den ausgewiesenen Juden die Rückkehrnach Mantua zu gestatten und ihnen alles Geraubte zurückzugeben.Aber erst Anfangs Winter (Nov.) kehrten die Uebriggebliebenen inihre leeren Häuser zurück, von 1000 nur 500; die Fehlenden waren vonNoth, Entblößung, Hunger und anderen Plagen aufgcriebeu worden^).
Sonst erzählen die Jahrbücher des dreißigjährigen Krieges durch-aus nichts von besonderen Leiden des jüdischen Stammes. Bei derEinnahme Prags durch die Protestanten und bei'desscn Wiedereroberungdurch Walleustein (1632) ist den Juden nichts Leides geschehenHin und wieder tauchte die alte Lüge von Christenkindermord auf;aber Kaiser Ferdinand III. nahm die Inden nachdrücklich in Schutzgegen die boshafte Anschuldigung in einem Erlasse (23. Juni 1638)
r) Masseran a. a. O. p. 14 fg.
-) Das. x. 23 fg.
") L. Heller, Selbstbiographie x. 28.