Lipmann Heller.
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Behörden und befreite sie sogar vom Tragen der Abzeichen. Zurselben Zeit als die Protestanischen Hamburger Bürger eifersüchtigwachten, daß den portugiesischen Juden keine Synagoge eingeräumt werde(o. S. 20), gestattete ihnen der erzkatholische Kaiser in seiner Hauptstadteine neue Synagoge mit allem Zubehör zu bauen (Dec. 1624). Seine„Befreiten", d. h. Privilegirten Juden, brauchten keine Einquar-tierung aufzunehmen und nicht Kriegskosten zu tragen *). DerMagistrat erhob freilich Einspruch gegen diese Begünstigung der Juden;er wünschte den „Judenschwarm" aus der Stadt zu schaffen. DieHofräthe, welche Gelder erpressen wollten, gaben daher den Bürgernanzuhören, für 20,000 Fl. könnten sie die Freude genießen, die Judenausgewiesen zu sehen, raunten aber zugleich den Juden zu, wenn siediese Summe zuvorkommend erlegten, könnten sie in Wien bleiben'^).Wahrscheinlich haben die Juden gesiegt. Die geeinte und wohlhabendeGemeinde sah sich nach einen rabbinischen Leiter um und traf eineglückliche Wahl an dem ebem so liebenswürdigen, wie gelehrten da-maligen Rabbiner von Nikolsburg, Lipmann Heller (Febr. 1625).Er war keine glänzende, epochemachende Erscheinung, aber auf demdunklen Grund jener Zeit hebt sich seine Bedeutung hell ab.
Lipmann Heller (geb. in Wallerstein 1579 st. Krakau 1654 ^)bildet nämlich eine Ausnahme unter den damaligen Rabbinen, wenigstensunter denen in Deutschland und Polen. Sein Kopf war nicht bloßvon talmudischcr Gelehrsamkeit erfüllt und eingenommen, sondern auchvon Elementen des Wissens befruchtet, welche außerhalb des rabbinischenGesichtskreises lagen. Heller hatte sich nämlich auch in außerjüdischerLiteratur umgeseheu und verstand gut Mathematik. Auf talmudischemGebiete konnte er sich allerdings nicht mit den zeitgenössischen polnischenGrößen, mit Samuel Edles in Ostrog, Josua Falk in Lemberg,Joel Serkes in Krakau und so vielen andern messen. Allein wenner ihnen an Scharfsinn oder richtiger an Tüftelei nachstand, so über-ragte er sie an Gründlichkeit und Klarheit seines Wissens; die Schätze
') Hurter, Ferdinand II. B. 10, S. 137 fg. Wolf, Ferdinand II. BeilageNo. V. auch Lipmann Heller, a. a. O.
") Hurter das. B. 8, S. 20t.
b) Seine Lebenszüge giebt seine Selbstbiographie .na>n rftuL, über seinenProceß und seine Auswanderung; Ergänzungen dazu: Lieben, Prager Epita-phien S. 65 und Landshut ^.ruuäs 2l.bocks. p>. 63. Aus der Grabschrift beiLiebenist sein Todesjahr 1654 unzweifelhaft; Manasse b. Jsr. setzt es aber 1649aus einem Mißverständnis;. Denn Mose Zacut hat auf Hellers Tod eine Elegiegedichtet (auch gedruckt), in welcher die Chiffre vorkommt: er ft .-r ore'vManche haben das n als 5000 genommen und daher 5409 — 1649 gezählt; esgehört aber zu den Einern, und vervollständigt die Zahl 54l4 — 1654.