Der dreißigjährige Krieg.
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Krieg durch den Krieg ernährt werden, daß eine große Armee sichauch Finanzmittel verschaffen könnte, brauchte der Waffengang, denFerdinand II. gegen die Protestantische Hälfte Deutschlands unternahm,viel Geld, woran der kaiserliche Schatz von jeher arm war. BaaresGeld fand sich aber meistens nur in den Kasten jüdischer Capitalisten,Die Finanzqnelle der Inden mußte daher vor Allem geschont werden,wenn der Krieg einen guten Fortgang haben sollte. Daher war dermit vieler Ueberlegung handelnde Kaiser darauf bedacht, seinen Feld-herren einzuschürfen, die Juden von aller Kriegsbeschwerlichkeit undEinguartirnng zu befreien ff. Wie thener den Gemeinden diese zärtlicheBehandlung zu stehen kam, läßt sich nicht angeben. Die böhmischenJuden entrichteten eine bedeutende Summe und verpflichteten sich, jährlich40 000 Gulden zur Bestreitung der Kriegslasten zu leisten ff.
Der Wiener Hof erfand auch ein anderes Mittel, die Fiuanzguelleder Juden für den Krieg ergiebig zu machen. Er ernannte jüdischeCapitalisten zu Hofjuden, räumte ihnen die ausgedehnteste Handels-freiheit ein, befreite sie von den Beschränkungen, denen andere Judenunterworfen waren, sogar vom Tragen des gelben Fleckens, gewährteihnen und ihren Angehörigen mit einem Worte eine günstige Aus-nahmestellung. Solche Hofjuden waren zur Zeit des dreißigjährigenKrieges: Josel Pinkherle von Görz, Moses und Jakob Mar-burger von Gradisca, Ventura Parente von Triest, denen derKaiser für geleistete Dienste bedeutende Privilegien ertheilteff; fernerElia Halfan, der Arzt, in Wien, Samuel zum Drachen undSamuel zum Straußen in Frankfurt a. M.ff. Ein ganz besondersbegünstigter Hofjude damaliger Zeit war Jakob Bassewi (Batscheba)Schmieles in Prag (geb. 1580, st. 1634/'), welchen Kaiser Ferdinandwegen der Dienste, die er dem Kaiserhause geleistet, in den Adelstanderhob (Jan. 1622). Er erhielt den Namen von Trenenbnrg unddurfte ein Wappen führen (blauer Löwe, acht rothe Sterne im blauen
ff Wolf, Ferdinand II., Beilage XIII. „Wir Ferdinand entbieten allenund jeden unfern Obristen, Obrist-Lieutenanten, Rittmeistern rc. und geben enchzu vernehmen, daß wir die gesammbte Judenschaft von Worms in unfern kais.Schutz an- und ausgenommen, vor allen gewaltthätigen Einlagen, Einquartirungenund andern Krieg-beschwerlichkeiten gänzlich und allerdings eliminirt und be-freit haben."
ff v. Herrman, Geschichte der Juden in Böhmen S. 54, Zeitschrift Lls-slrirV. S. 141; Wallenstcin erhöhte 1628 diese Summe auf 4000 Fl. monatlich.
ff Wolf, Ferdinand II. Beil. No. IV
ff Das. Beil. X.
ff Seine Biographie« in Lieben's Prager Epitaphien S. 21 fg. Nuslrir IV.S. 20, Note.