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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Sack und Pack aus der Stadt zu ziehen." Die Deputation warf ihnenvor, die Bürgerschaft beim Kaiser verdächtigt, seinen Haß gegen sieerregt und ihr jedes Mittel benommen zu haben, Recht zu erlangen.Der Magistrat protestirte, aber ohnmächtig, und so blieb den Judennur übrig, am vorletzten Passahtage auszuwandern (20. April n. St.1615). Die Schiffer, welche iin Dienste der, den Juden stets wohl-gesinnten Dahlberge standen, hatten zwar die Weisung, die Juden nichtüber den Rhein zu führen, aber die Bürger brachten sie, um ihrer nurlos zu sein, hinüber. Sie durften alles Bewegliche mitnehmen, undwas sie zurückließen, sollte ihnen gut verwahrt werden. So hatteChemnitz gerathen, um die Bürger nicht in die Anklage wegen Plünde-rung zu verwickeln. Der Fanatismus konnte sich aber nicht enthalten,die Wuth an den heiligen Stätten der Juden auszulassen, die tausendJahre alte Synagoge zu verwüsten, den jüdischen Begräbnißplatz zuentweihen und mehrere hundert Grabsteine zu zerbrechen, von deneneinige Zeugniß vom hohen Alter dieser Gemeinde oblegen *). Der Erz-bischof von Mainz und der Landgraf Ludwig von Darmstadt ge-statteten den Aufenthalt in den kleinen Städten und Dörfern, und sokamen sie zum Theil mit ihren Frankfurter Leidensbrüdern zusammen.

Indessen dauerte der Jubel der judeufeindlichen Wormser Bürgernicht lange. Der durch den Bürgerausschuß gedemüthigte Rath unter-handelte heimlich mit dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, unddieser ließ, etwa zehn Tage nach Ausweisung der Juden. FußvolkReiterei und Kanonen unter dem ohnmächtigen Proteste des Ausschussesin die Stadt einrücken, welche alsbald dem Aufruhr ein Ende machten.Der großsprecherische Doctor Chemnitz wurde mit anderen Aufwieglernin Gewahrsam gebracht. Später wurde er seines Amtes als.Advokatentsetzt und Landes verwiesen. Andere Rädelsführer, die sich bei derVertreibung der Juden bemerklich gemacht hatten, wurden auf Nimmer-wiederkehr zur Stadt hinausgestäupt. Es dauerte aber doch noch fastdrei Vierteljahre, bis die Wormser Juden auf Befehl des Kaisers vondem Pfalzgrafen und dem Bischof von Speier in ihre Stätte wiedereingesetzt wurden (19. Januar n. St. 1616). Zwei Monate späterwurden die Juden von Frankfurt wie im Triumphe mit Paukenschallund Hörnerklang von den Commissarien Kurmainzeus und Darmstadtsin ihre Wohnungen wieder zurückgeführt (20. ^.äur 10. Märzn. St.) 2). Hier wurden die Aufwiegler härter als iu Worms bestraft,

9 L. Levysohn, Epitaphien der Wormser Gemeinde S. 3.

") Bei Kriegk wird das Datum unbegreiflich auf den 28. Febr. angegeben,das stimmt nicht mit den Angaben der jüdischen Quellen.