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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Machinationen gegen die Juden in Worms. 33

als Gewalt erschien, rieth ihnen der schlaue Advokat, lieber beständigan den Psorten Wache zu halten. Auch in Worms wurden die so-genannten jüdischen Privilegien, d. h. dieMattigkeit", welche ihnenunter beschränkenden Bedingungen zu athmen gestatteten, der Bürger-schaft zugänglich gemacht. Sie wurden ihr vorgelcsen und sie hörtesie mit solchem Ernst an, alswenn ein Evangelium vom Himmelgepredigt worden wäre". Sie wollte sich vergewissern, daß sie mitFug und Recht die Juden ausweisen durfte. Um diese so äußerst wichtigeAngelegenheit zu betreiben, erweiterte sich der Bürgerausschuß von 17auf 150 Mann, und Chemnitz war rührig und geschäftig, das heißersehnte Ziel herbeizuführen, besonders nachdem die Frankfurter soglücklich waren, ihre Juden losznwerden. Die Wormser Gemeinde thatzwar auch das Ihrige, den sie bedrohenden Schlag abzuivenden. IhrSachwalter, der Vorsteher Löb Oppenheim, ein Glied einer sehrgeachteten Familie, war au den kaiserlichen Hof abgeordnet worden,empfohlen vom Landgrafen Ludwig von Darmstadt und dem ErzbischofSchwickhard von Mainz, den Kaiser Matthias günstig für die Judenzu stimmen; Geldmittel wurden nicht gespart. Der Kaiser hatte aberkein anderes Mittel, als Handschreiben und Mandate an die Bürger-schaft zu richten, die Gewaltthätigkeiten gegen die Juden abzustellenund die Aufwiegler zu bestrafen; die kaiserlichen Drohworte fandenkein Gehör und wurden von den übermüthigen Rädelsführern noch ver-spottet.

Kräftiger nahm sich der junge Kurfürst Friedrich von der Pfalz,der Freund des jüdischen Arztes Zacuto Lusitano (o. S. 3) derWormser Juden als Schutzherr der Stadt an, jener Fürst, welcherspäter den Tanz des dreißigjährigen Krieges eröffnen und als erstesOpfer desselben fallen sollte. Er hatte zuerst durch zwei Commissarienseine Vermittlung angeboten, und als diese nicht angenommen wurdeund Chemnitz seine Wühlerei verdoppelte, ließ ihn der Kurfürst fest-nehmen und in Heidelberg in Gewahrsam bringen. Während seinerdreimonatlichen Haft trat eine kleine Pause in Worms ein. Sobaldaber dieser Aufwiegler wieder auf dem Schauplatze erschien, begannendie Wirren von neuem. Er hatte zwar sein Wort verpfändet, derBürgerschaft nicht gegen die Juden zu dienen und sich anheischig gemacht,im Uebertretungsfalle in 1000 Gulden Strafgeld zu verfallen; nurunter dieser Bedingung wurde er vom Kurfürst aus der Haft entlassen.Das machte ihm aber, kein Bedenken, er regte vielmehr die Zünftenoch nachdrücklicher gegen die Inden auf. Sie versammelten sich aufChemnitz' Rath unbewaffnet auf dem Markte zur Berathuug undschickten eine Deputation an die Juden, innerhalb einer Stundemit

Graetz, Geschichte der Juden. X. 3